Nur Wissen reicht nicht für eine gerechte Zukunft!
Zur Gleichstellung aller Menschen – im Kontext der Notwendigkeit der Auseinandersetzung, des wertschätzenden Teilens von Wissen und des gemeinsamen zivilgesellschaftlichen Handelns für unser solidarisches, demokratisch-rechtsstaatliches Gemeinwesen.
Heute wird in den unterschiedlichsten Kontexten über die Notwendigkeit von Transformation gesprochen. Was bei naturwissenschaftlichen Prozessen zumeist mit konkret zu benennenden und nachweislichen Notwendigkeiten verbunden werden kann – wie z.B. existenzielle Energie-Transformationen in lebenden Organismen (Mensch incl.) – ist bei fast allen gesellschaftlich-transformativen Fragen ausgesprochen diffizil und oft mit extrem polarisierten Meinungsbildern verbunden.
Das trifft auch auf Gleichstellungsfragen zu. Hier kommt ein scheinbar unlogischer Sachverhalt dazu – dass trotz allgemeinem Wissen der Mehrheiten um Nachstellung nur aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit, leider nicht Mehrheiten aktiv in ihrem Alltag handeln, um diese Unrechtssituation zu korrigieren, zu reduzieren bzw. aufzuheben.
Die Gründe dafür sind sehr komplex – und reichen von historischer Dimension der gesellschaftlich manifestierten Geschlechterungerechtigkeit, über zumeist sozial bedingte individuelle Sichtweisen bzw. Werte-Profile bis hin zum Sachverhalt, dass allgemeines Wissen fast immer nicht ausreichend ist.
Es braucht Wissen um kausale Zusammenhänge, in historischen und aktuellen Gesellschaftsbezügen, es braucht besonders die ganz persönliche Erkenntnis, dass „eine gerechte(re) Welt allen Menschen Vorteile bringen“ und es braucht in diesem Kontext konsequent zielgerichtetes Handeln vieler.
Aus dieser Erkenntnis & Tun folgt, dass letztendlich die Gleichstellung aller Menschen das stabilste Fundament einer humanistischen, einer feministischen Gesellschaft ist – um als solidarisches Gemeinwesen gegenüber gegenwärtigen bzw. künftigen extremen Herausforderungen bestehen zu können.
Bei einem Teil der Mehrheitsbevölkerung stellt sich sofort die Frage: Was bedeutet „feministische Gesellschaftsentwicklung“ – bei vielen natürlich mit der Betonung auf das Attribut feministisch. Aus unserer Perspektive bedeutet Feminismus u.a., sich gegen jede Art von Unrecht zu positionieren und zu handeln. Dieses Leit-Motiv ist (aus unserer Sicht) allen feministischen transformativen Prozessen immanent. Die weit komplexere Frage ist natürlich: Wie können generationsübergreifend Mehrheiten humanistisch-demokratisch, beteiligungsorientiert, feministisch … erreicht werden, um im o.g. Kontext gesellschaftliche Transformationsprozesse zu initiieren und zu tragen? Auch Fragen nach „welche Mehrheiten“ müssen gestellt werden. Unter Zivilgesellschaft verorten sich viele Menschen, Gruppen, Initiativen – die selbst bei den gleichen/denselben Leitsätzen, sich nicht selten kontrovers und ab- bzw. ausgrenzend verhalten.
Formulierte Visionen und Ziele werden sehr schnell zu Phrasen, wenn nicht sehr konkrete, zielgerichtete Aktionen bzw. Maßnahmen des Handelns folgen. In der Prioritätenliste von feministisch transformativen Aktionskonzepten ganz oben: Die sachliche Analyse des Ist-Zustandes und die Dimension des konzipierten Wirkungsradius/-grad. Da alle gesellschaftspolitischen und insbesondere gesellschaftlich transformative Aktionen zumeist „zuerst“ mit dem regional-sozialen Umfeld der Akteur:innen verbunden sind – braucht es für weiterreichende Aktionen viel Ausdauer, Kontinuität, Unerschrockenheit, Unermüdlichkeit und Hartnäckigkeit … besonders auch im offenen und ehrlichen Netzwerken. Ebenso wichtig sind sehr differenzierte und entsprechende Aktionsformate, um Mehrheiten über die eigene Community hinaus erreichen zu können.

Anliegen & Angebote des Gleichstellungsprojektes 2026
Die verschiedenen gesellschaftlich relevanten Themen dieses Projektes werden in Gesprächen & Diskussionen immer im Zusammenhang mit dem Teilen von Wissen und der Notwendigkeit zivilgesellschaftlichen Handels moderiert werden – mit der Fragstellung „Was hat das mit mir, mit uns zu tun? Was können wir ganz real, ganz wirklich im eigenen Alltag tun?”

Di., 12. 05. 2026 || 19.00 Uhr
VORTRAG & GESPRÄCH
Das machst du doch aus Liebe… oder?!
Mit TINA LÜDERITZ von der Liga für unbezahlte Arbeit – @lua_die_carewerkschaft_
Wer kümmert sich um Kinder, wenn sie krank sind, um Eltern, wenn sie alt werden, um den Haushalt, wenn alle müde nach Hause kommen? Meistens machen das Menschen im Stillen – oft Frauen – und fast immer ohne Bezahlung. Ohne diese Sorgearbeit würde unser Leben zusammenbrechen. Trotzdem bekommt sie kaum Anerkennung und Schutz.
Die Liga für unbezahlte Arbeit (LUA) sagt: Das muss sich ändern! LUA ist die gewerkschaftsähnliche Interessenvertretung für alle, die unbezahlte Care-Arbeit leisten. Als Carewerkschaft kämpft sie für einen echten Systemwandel. Sorge- oder Care-Arbeit meint dabei alle unbezahlten Aufgaben, die man für andere Menschen übernimmt, von Haushalt über Familienmanagement bis Beziehungspflege.
Im Vortrag zeigt TINA LÜDERITZ auf, warum Care-Arbeit unverzichtbar ist und wie wir ihr endlich die Aufwertung geben können, den sie verdient. Sei dabei, diskutiere mit uns und bring deine Perspektive ein. Für alle, die Care-Arbeit leisten, davon profitieren oder einfach mitreden wollen.

Di., 26. 05. 2026 || 19.00 Uhr
LESUNG & GESPRÄCH
Neon/Grau! 1989 und Ostdeutsche Erfahrungsräume im Pop
mit ANNA LUX und JONAS BRÜCKNER
Zwischen Neon und Grau schimmern die vielen Geschichten über den Osten mit all seinen Widersprüchen und Konflikten. Popkultur erzählt davon – in Romanen, im Rap, in Spielfilmen oder Podcasts.
Die Historikerin Anna Lux und der Kulturwissenschaftler Jonas Brückner haben in ihrem Buch „Neon/Grau“ diese Erzählungen zusammengefügt und miteinander in ein Gespräch gebracht. Es geht um Freiheiten und Verluste, um Zugehörigkeit und Ausgrenzung, um Jugend im Umbruch, Geschlechterverhältnisse, den ländlichen Raum. Aus verschiedenen Blickwinkeln brechen sie die allzu oft allzu eindeutigen Ost-Erzählungen auf und halten sie aus, die Vielstimmigkeit, die Ambivalenzen und Widersprüche.
ANNA LUX ist Historikerin und beschäftigt sich mit dem Umbruch seit 1989/90 und populärer Geschichtskultur. JONAS BRÜCKNER ist Kulturwissenschaftler und forscht zu Männlichkeiten in der späten DDR und Popkultur.

Do., 04. 06. 2026 || 19.00 Uhr
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
Künstlerinnen von A bis Z: generisches Femininum in der Kunstgeschichte
JOACHIM RAUSCH, Sammler
Seit Jahrzehnten sammelt Joachim Rausch unterschiedlichste Zeitungsartikel über Frauen aus Literatur, Wissenschaft, Technik, Architektur, Bildender und Darstellender Kunst. Diese Materialien wurden dokumentarisch archiviert, für diese Ausstellung ausgewählt und in analogem Charme neu zusammengestellt. Ein Blick in die nicht endende Geschichte bekannter und unbekannter Kunst von Frauen in Form von Collagen, Montagen, Überlagerungen, Interferenzen. Es lebe das generische Femininum! …nicht nur auf dem Papier. Im Wandzeitungslayout werden in dieser Ausstellung biografische Momentaufnahmen von Frauen unterschiedlicher Generationen und ihre Werke sichtbar. Für manche von uns, noch zu entdeckende unbekannte Himmelskörper…
Eintritt: frei
Musik zur Eröffnung: ALAIA ROMERO-RUSS, SARAH DUMONT & LILLY SCHOBER, Blockflöte

Do., 24. 09. 2026 || 18.00 Uhr
LESUNG & GESPRÄCH
Ein ungehaltenes Plädoyer
Mit CHRISTINA CLEMM
Was erzählen Gerichtsverfahren über unsere Gesellschaft? In ihrem neuen Buch „Ein ungehaltenes Plädoyer“ nimmt CHRISTINA CLEMM die Leser:innen mit in den Gerichtssaal und zeigt, wie eng Gewalt mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen verknüpft ist. Anhand ihrer Erfahrungen als Anwältin macht sie sichtbar, wo wir als Gesellschaft versagen – und entwirft zugleich die Perspektive auf eine solidarischere und gerechtere Zukunft. Ein eindringliches, persönliches Plädoyer über Gerechtigkeit, Verantwortung und die Frage, was sich ändern muss.
CHRISTINA CLEMM, Autorin & Fachanwältin für Familien- und Strafrecht in Berlin. Seit über 25 Jahren vertritt sie Betroffene geschlechtsspezifischer, rassistischer und rechtsextrem motivierter Gewalt und zählt zu den profiliertesten Stimmen zu den Themen Gewalt, Recht und gesellschaftliche Verantwortung.
Eintritt: nach Selbsteinschätzung

Di., 29. 09. 2026 || 19.00 Uhr
LESUNG & GESPRÄCH
Frauen und Revolution oder Revolution hat ein weibliches Gesicht.
mit SHILA BEHJAT, Journalistin & Juristin
Shila Behjats lebendige Reportage zeigt, was die Welt vom Mut der Frauen lernen kann – ein Aufruf zum Feminismus der Stärke!
Vom Iran bis Belarus, von Fridays for Future bis zu den großen Diskriminierungsdebatten – Revolutionen und gesellschaftliche Wandlungsprozesse haben heute oft ein weibliches Gesicht.
Ausgehend von den mutigen Frauen im Iran fragt die vielfach ausgezeichnete Journalistin Shila Behjat nach den Besonderheiten weiblichen Protests. Aus Gesprächen mit den Anführerinnen der Bewegungen entsteht eine lebendige Reportage, die zeigt: Auch unter widrigsten Umständen sind Frauen schon lange nicht mehr nur Opfer, sondern Prota-gonistinnen der Geschichte. Ist es längst angebrochen, das weibliche Zeitalter? „Frauen und Revolution“ ist ein engagiertes Plädoyer – für ein neues Frauenbild, einen Feminismus der Stärke und weibliche Solidarität, die keine Ländergrenzen kennt
„Westlich, patriarchal geprägte Denkmuster offenzulegen – genau das macht den Essay nicht nur zu einer pointierten, sondern auch zu einer starken Lektüre.“ Anne-Kathrin Weber, Deutschlandfunk
SHILA BEHJAT, 1982 geboren, ist Journalistin, Publizistin und Moderatorin mit deutsch-iranischen Wurzeln. Sie studierte Jura in Hamburg und Paris, war Korrespondentin in London, lebte als freie Journalistin in Indien und berichtete für das Frauenportal Aufeminin.com über Gleichstellung in der EU. Als Kulturredakteurin bei ARTE verantwortet sie Dokumentationen und neue Formate.
Eintritt: nach Selbsteinschätzung

Do., 08. 10. 2026 || 19.00 Uhr
MULTIMEDIALER INPUT & GESPRÄCH
Ich möchte kein gefangener Vogel im Käfig sein.
Zu Werken der Künstlerin Annemirl Bauer
mit DENISE PRÄTZ, Braunschweig
Die Künstlerin ANNEMIRL BAUER (1939 – 1989) zählte zu den mutigsten Stimmen der DDR-Kunst. Mit scharfem Blick kritisierte sie Reiseverbote, staatliche Bevormundung und die Benachteiligung von Frauen. In ihrer Bachelorarbeit beleuchtet Denise Prätz zwei selten gezeigte, stark autobiografischen Werke der Künstlerin – Wartende und Lebenslänglich. Eine außergewöhnliche Begegnung mit einer unbequemen Künstlerin, deren Forderungen nach Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung bis heute nachhallen.
DENISE PRÄTZ, studiert Lehramt an der Uni Hildesheim
Eintritt: nach Selbsteinschätzung

Do., 22. 10. 2026 || 18.00 – 19.30 Uhr
VORTRAG & DISKUSSION
Digitale Zivilcourage & Hass im Netz
Mit SARAH SHIFERAW
Hassrede, Desinformation und Verschwörungserzählungen prägen zunehmend den digitalen Alltag – mit Folgen weit über das Internet hinaus. Wie lassen sich Falschinformationen erkennen? Warum sind Verschwörungserzählungen so wirkmächtig? Und wie können wir im Netz Zivilcourage zeigen, ohne uns selbst zu überfordern? SARAH SHIFERAW gibt Einblicke in aktuelle Entwicklungen und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie jede und jeder zu einer demokrati-schen Debattenkultur beitragen kann. Im anschließenden Gespräch geht es um praktische Strategien im Umgang mit Online-Hass, digitale Medienkompetenz und die Frage, wie wir demokratische Werte auch im digitalen Raum stärken können.
SARAH SHIFERAW arbeitet als Bildungsreferentin und Analystin am Institut für Strategischen Dialog (ISD). Seit mehr als 15 Jahren ist sie in der Erwachsenenbildung tätig und berät Unternehmen sowie Nichtregierungsorganisationen zu den Themen Demokratieförderung, digita-le Resilienz und Diskriminierung.
Eintritt: nach Selbsteinschätzung

Weitere Infos & Angebote des Projektes folgen…

Die Umsetzung des Gleichstellungsprojektes 2026 „Nur Wissen reicht nicht für eine gerechte Zukunft!” – welches sich an alle Menschen (unabhängig vom Geschlecht) richtet – wird durch den Freistaat Sachsen | das Sächsische Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt | der Landesdirektion Sachsen
Auf diesem Wege unseren besonderen Dank an die Landesdirektion des Freistaates Sachsen. Die Durchführung dieses Gleichstellungsprojektes wäre ohne diese Unterstützung nicht möglich.

