Lesungen, Vorträge & Filme

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstler*innen oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autor*innen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referent*innen, Künstler*innen und den Besucher*innen.

Oktober 2021

27.10. Neofaschismus in Italien

Mittwoch | 18:00 bis 19:30 Uhr

ONLINE-VORTRAG & DISKUSSION

DR. LENE FAUST

Wie lässt sich der italienische Neofaschismus heute über seine politischen Inhalte hinaus verstehen? Diese ethnologische Studie analysiert, was es heißt, Faschist in Italien zu sein, und berücksichtigt dabei besonders mehrgenerationale Bezüge. Dieser innovative Ansatz erlaubt eine mehrdimensionale Interpretation des Neofaschismus als Zusammenspiel gesellschaftlicher Marginalisierungsprozesse, familiärer Dynamiken, religiöser Elemente und politischer Wirksamkeit. Indem Mechanismen der Verdrängung und der Weitergabe von Tradition und Trauma in römischen Familien systematisch aufgearbeitet werden, kann die zentrale Bedeutung des vorpolitischen Raums für die Existenzsicherung der Subkultur in einer auf kollektivem Antifaschismus basierenden Nachkriegsrepublik konzise erklärt werden.

DR. LENE FAUST, Ethnologin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern. Sie promovierte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Teilnahmegebühr nach Selbsteinschätzung

-> Teilnahmelink hier

28.10. „…das ICH altert nicht“

Donnerstag | 11:00 bis 11:15 Uhr

MUSIKALISCHE LESUNG

Mit CHRISTINE BRANDT, Autorin & ANNALIES JENA, Musikerin

Diese Worte von Hannah Arndt nimmt die Leipzigerin Christine Brandt zum Thema ihrer Gedichte. Sie beschreibt die Befindlichkeiten der älteren Generation mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das alles mit Hingabe und Erfahrung des Alters. Man wird sich wiedererkennen und berührt eintauchen.
Sie schreibt unter ihrem Mädchennamen Christine Borse und wird begleitet von ANNALIES JENA an der Veeh-Harfe
Eintritt: nach Selbsteinschätzung

28.10. Liebe | Liebe

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

AUTORINNEN*_LESUNG

Mit MARLEN PELNY

Saschas Kindheit ist stumm. Für ihre Mutter ist sie unsichtbar, dafür quält ihr Vater sie mit viel zu viel Nähe. Nähe, die sich falsch anfühlt, und für die Erwachsene Wörter haben, die Sascha noch nicht kennt. Dann findet sie sich bei ihrem Großvater wieder. Bei dem alten Mann, an dessen Herzlichkeit sie sich erst gewöhnen muss. Sie trifft Charlie, das Mädchen, das sie am ersten gemeinsamen Schultag an die Hand nimmt und nie wieder loslässt. Da sind Rosa, die Hündin, und das neue Ich, das in Sascha wächst. Ein ungewohntes Gefühl breitet sich in ihr aus: Menschen und Nähe können guttun. Doch das Gestern meldet sich und holt sie ein. Wie wird Sascha ihm mit der neuen Familie an ihrer Seite begegnen?

Das Alte abstreifen, sich lösen vom Schmerzhaften, das Neue ins Leben lassen. – Behutsam erkundet Marlen Pelny die Möglichkeit einer Verbundenheit außerhalb der Konstellation Vater-Mutter-Kind. Sascha ist eine wahre Heldin, die nicht aufhört zu glauben: an das Heilen von Wunden, an das Leben und an all die innigen Beziehungen, die es für sie bereithält.

Marlen Pelny plakatierte deutsche Städte mit Lyrik und veröffentlichte die Gedichtbände „Auftakt“ (2007) und „Wir müssen nur noch die Tiere erschlagen“ (2013). Ihre Worte bringt sie nicht nur auf Wände und Papier, sondern mit ihrer Band Zuckerklub auch zum Klingen. Ihre klare Poesie durchströmt auch ihr Romandebüt: Für jede Phase, jedes Gefühl Saschas findet sie den eigenen, eindringlichen Ton.
Eintritt: 6,- | 4,- Euro ermäßigt

November 2021

05.11. Louise Michel – Aktivistin der Pariser Kommune Oder: Die Liebe zur Revolution…

Freitag | 18:00 bis 20:00 Uhr

LESUNG
mit Dr. FLORENCE HERVÉ

Louise Michel (1830–1905) – für die einen »die blutrünstige Wölfin«, für die anderen »die rote Jungfrau« – gilt als Symbolfigur der Pariser Kommune im Frühjahr 1871. Zum ersten Mal in der Geschichte übernahmen Arbeiterinnen und Arbeiter die Macht. Louise Michel organisierte nicht nur die Versorgung der Hungernden und Verwundeten, sie beteiligte sich an den Klub-Debatten und auch am bewaffneten Kampf. Als außereheliches Kind eines Dienstmädchens wurde sie im Geist der Aufklärung von den Großeltern erzogen. Nach der Niederschlagung der Pariser Kommune machte man Louise Michel den Prozess und deportierte sie 1873 in die Strafkolonie Neukaledonien östlich von Australien. Dort erlernte sie die Sprache der Kanak und vermittelte in zwei Schriften deren Mythen und Kultur. 1880 kam die Kommunardin durch eine Amnestie wieder frei. Nach einem triumphalen Empfang in Paris nahm Louise Michel sofort den Kampf für die Revolution wieder auf. Durch zahlreiche Vorträge und ihr Eintreten für die Rechte der Frauen und Arbeiterinnen und Arbeiter wurde sie zu einer der bekanntesten Vertreterinnen des Anarchismus und der revolutionären Arbeiterbewegung.

Ihre mutigen Kämpfe gegen Ausbeutung, Unterdrückung, Frauendiskriminierung, Krieg, Kolonialismus und Rassismus, für eine kindgerechte Erziehung und ein respektvolles Verhältnis zu Natur und Tieren sind weiterhin aktuell.

Dr. FLORENCE HÉRVE, geb. 1944, lebt und arbeitet seit Mitte der 60er Jahre in Deutschland. Studium der Germanistik in Bonn und Paris, seit 1967 freiberuflich tätig als Freie Journalistin für zahlreiche Sender und Zeitschriften, Autorin zahlreicher Bücher. Sie ist Mitgründerin und Redakteurin des Kalenders WIR FRAUEN seit 1979 und der Zeitschrift WIR FRAUEN seit 1982 – und war Lehrbeauftragte an den Universitäten Marburg, Duisburg und Münster; Trägerin des Luise-Büchner-Preis für Publizistik 2021
Eintritt: 5,- | 3,- Euro ermäßigt

14.11. …zum Zuhören, mitträumen, nachdenken, lachen und weinen

Sonntag | 16:00 bis 17:30 Uhr

MÄRCHEN MIT MUSIK

Mit SILVIA NEEDON, Musikerin, Erzählerin, Pädagogin und Lebenskünstlerin

Märchen gibt und gab es in allen Kulturen und zu allen Zeiten. Sie spiegeln und verarbeiten Wünsche, Ängste und Hoffnungen. Viele von ihnen beinhalten einen Weg welchen die Heldin oder der Held zurücklegen muss um zu Glück und Weisheit zu gelangen, manchmal mit Umwegen und Herausforderungen – doch am Ende steht meist das Ankommen am erwünschten oder vorherbestimmten Ort.

Bis ins vorletzte Jahrhundert hinein wurden Märchen und Geschichten ebenso wie Volkslieder und Tänze fast ausschließlich mündlich weitergegeben. Sie wurden am Feuer erzählt, in der Küche, an lauen Sommer- oder kalten Winterabenden. Alle Erzählenden brachten dabei ein Stück von sich selbst ein, so wurden die Geschichten lebendig… und jedes Mal ein bisschen anders. Silvia Needon lässt Märchen und Geschichten erblühen und sich entfalten, begleitet von lauten und leisen Tönen, die verzaubern und berühren. Für Menschen jeden Alters.
Eintritt: 7,- | 5,- Euro ermäßigt

Dezember 2021

02.12. Klimakrise als intersektionale Herausforderung

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

VORTRAG UND DISKUSSION

Referentin:
Prof. FRANZISKA MÜLLER, Hamburg, seit 2020 Juniorprofessorin für Globalisierung & Governance der Klimapolitik. Forschungs- schwerpunkte: globale Klima- und Energiegovernance, sowie (konstruktivistische, posttrukturalistische und post-koloniale) Theorien Internationaler Beziehungen.

07.12. Migrantischer Feminismus in der Frauen:bewegung in Deutschland (1985-2000)

Dienstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

VORTRAG UND DISKUSSION

vorgestellt durch
Prof. ENCARNACIÓN GUTIÉRREZ RODRÍGUEZ und Dr. PINAR TUZCU

Die hier durch die Herausgeberinnen vorgestellte Veröffentlichung nimmt eine Neuschreibung feministischer Bewegungen in Deutschland vor – aus der Perspektive der politischen Selbstorganisierung migrantisierter Frauen*. Anhand von Erzählungen von Zeitzeug:innen und Archivmaterial wird die These widerlegt, dass die 1990er Jahre eine “stille Zeit” in der Frauenbewegung Deutschlands war. Es wird aufgezeigt, dass die 1980er und 1990er Jahre eine “geräuschvolle” Zeit waren, da sie den Höhepunkt in der politischen Selbstorganisierung von Migrant:innen, Schwarzen, Sinti:ze und Romn:ja, Exilierten und jüdischen Frauen* in der Bundesrepublik darstellt. Mittels der Erinnerungsarbeit im Sinne eines Eingedenken lösen die Akteur:innen ihr right-to re-narrate ein, indem sie eine neue Erinnerungspolitik und -kultur migrantischer Theoriebildung und politischer Praxis in Deutschland eröffnen.

Auf diese Weise versucht das Buch folgende Fragen zu beantworten: Was bedeutet die Auslassung migrantischer feministischer Geschichte für die Politik der Geschichtsschreibung deutscher Frauenbewegung? Wie würde eine solche Intervention in der Vergangenheit die Gegenwart und die zukünftige Erzählung der Frauenbewegung in Deutschland neu definieren? Was würde diese “Neudefinition” für Deutschland als Einwanderungsland und (post-)migrantische Gesellschaft bedeuten?

Dr. phil. Pinar Tuzcu ist in der Türkei geboren und aufgewachsen und lebt seit 2007 in Deutschland. Sie hat promoviert und arbeitet im Fachgebiet Soziologie an der Universität Kassel. Prof. Dr. Encarnación Gutiérrez Rodríguez ist Tochter andalusischer-spanischer Gastarbeiter:innen und Professorin der Allgemeinen Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Giessen.