Lesungen, Vorträge & Filme

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstler*innen oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autor*innen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referent*innen, Künstler*innen und den Besucher*innen.

Dezember 2020

04.12. Online! Ist 'Gender' nur europäisch?

Freitag | 19:00 bis 21:00 Uhr

Hier der Teilnahme-Link:

ONLINE-VORTRAG UND DISKUSSION

Die Einführung von Gender Studies an einer afrikanischen Universität am Beispiel Ghana. Perspektiven als Gastprofessorin in Westafrika – unter Beleuchtung kolonialer Hintergründe

Prof. Dr. BEA LUNDT, Berlin/Winneba (Ghana)

‘Gender Studies’ sind ein rein europäisches Projekt, und auch der Begriff ‘Gender’ wurde von der westlichen Welt geprägt und unreflektiert auf Afrika oktroyiert, wo es ganz andere Strukturen gibt. So die Kritik aus Afrika, die auf zahlreichen Tagungen geäußert wurde und sich in einer eigenen Fachliteratur spiegelt. Wie also geht man an einer afrikanischen Hochschule mit der Kategorie ‘Geschlecht’ um? Bea Lundt berichtet aus eigener Erfahrung von der Einführung von ‘Gender Studies’ an einer Universität in Ghana und stellt Ergebnisse empirischer Forschungen vor: Wie sind die Lebensbedingungen allgemein für Frauen in diesem westafrikanischen Land und unter welchen Bedingungen können Frauen studieren? Wie stehen Studierende zu der kolonial vermittelten Geschlechterordnung und wie stellen sie sich ihre Zukunft als Mann und Frau in Ghana vor? Wie verlaufen die Gender-Kurse und wie werden sie wahrgenommen?

BEA LUNDT war Professorin für Geschichte an der Europa Universität Flensburg und arbeitet seit ihrer Emeritierung als Gast-professorin (DAAD) an der University of Education Winneba (UEW) in Ghana. Mit 85.000 Studierenden ist diese die größte lehramtsausbildende Hochschule in Afrika südlich der Sahara. Seit 12 Jahren kooperiert sie mit Hochschulen in verschiedenen Ländern Afrikas. Sie betreute ca. 100 deutsche Studierende in einem Schulpraktikum in Ghana, veranstaltete Tagungen und organisierte Projekte. In Zusammenarbeit mit afrikanischen Kollegen und Kolleginnen publizierte sie bisher neun Bände zu Themen über Geschichte und Kultur in Afrika und Europa in vergleichender Perspektive, zuletzt 2020 über Polygame Lebensweisen. Zurzeit ist sie im Home Office in Berlin und wartet darauf, wieder nach Ghana ausreisen zu können. Durch eine PPP wird sie ihre Eindrücke visuell nachvollziehbar machen und die Situation der Gender Studies an der UEW auch vor dem historischen Hintergrund des Kolonialismus und seiner Relikte beleuchten. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Geschlechtergeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, die Historische Erzählforschung sowie Globalgeschichte.

So könnt ihr teilnehmen. Schritt-für-Schritt-in die Online-Veranstaltung als PDF

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10.12. Online! Das Recht auf Abtreibung in Zeiten eines antifeministischen „Backlash“

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

VORTRAG und DISKUSSION

Referentin:
KATHARINA GÖPFARTH, Leipzig

In den USA und einigen europäischen Ländern beobachten wir seit einiger Zeit konservativ forcierte Bestrebungen, emanzipatorische Rechte zu beschränken. Besonders ernstzunehmende Auswirkungen hat dieser „Backlash“ auf den Bereich des Schwangerschaftsabbruchsrechts.

In den USA könnte mit dem Tod von Richterin Ruth Bader Ginsburg und der Supreme Court-Nominierung von Amy Coney Barrett – einer bekennenden Abtreibungsgegnerin – nun der feministische Albtraum wahr werden, vor dem Beobachter*innen schon seit längerem warnen: Die Grundsatzentscheidung Roe v. Wade aus dem Jahr 1973, in der das Recht auf Abtreibung zu einer fundamentalen Freiheit erklärt wurde, könnte verworfen werden. Für den Fall, dass der Senat der Ernennung von Barrett zustimmt, wird eine 6:3 Mehrheit für dieses Vorhaben am
Obersten Gerichtshof prognostiziert.

Doch auch in Europa gibt es sehr bedenkliche Entwicklungen. In Polen wurde während der Corona-Krise ein Gesetzentwurf, nach dem Abtreibung komplett verboten wäre, in der ersten parlamentarischen Lesung angenommen. Besorgniserregend erscheint zudem das 2013 gegründete ultrakonservative Lobby-Netzwerk „Agenda Europe“. Laut deren Manifest hat sich „der sexuelle Akt von seinem primären Zweck“ getrennt – der Fortpflanzung. Ziel dieses Netzwerkes ist es, in den Bereichen Ehe und Familie, sowie dem Zugang zu Schwangerschafts-abbrüchen, emanzipatorische Gesetze zu blockieren. Einige Erfolge konnten sie hierbei bereits erzielt.

Die Referentin, Katharina Göpfarth, wird diese Entwicklungen aus historischer und rechtsvergleichender Perspektive beleuchten.

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12.12. Online! Die Hexenprozesse von Salem

Samstag | 15:00 bis 16:30 Uhr

VORTRAG & DISKUSSION

Referentin:
MADELEINE APITZSCH, Leipzig
M.A. Germanistik und Mitglied des „Arbeitskreis Aufarbeitung Hexenverfolgung Leipzig“

In den 1620er Jahren gründeten puritanische englische Siedler*innen die Massachusetts Bay Colony – das Gebiet des heutigen US-Bundesstaats Massachusetts. Salem war eine der ersten Siedlungen, zu der auch das Dorf Salem Village, nahe der Stadt Salem, gehörte. Im Jahr 1692 häuften sich die Anklagen und Verurteilungen wegen Hexerei in Salem Village. Auslöser war das Verhalten der Mädchen Elisabeth Parris und Abigail Williams, welche an Krampfanfällen litten und zeitweise in tranceähnliche Zustände verfielen. Da kein organisches Leiden festgestellt werden konnte, mussten die Mädchen laut ärztlicher Diagnose „verhext“ worden sein. Daraufhin kam es zu gegenseitigen Denunziationen innerhalb der Gemeinde. Es fanden fortan Hexenprozesse statt, die zahlreiche Hinrichtungen zur Folge hatten. Nach dem teilweisen Zusammenbruch dörflich existentieller Lebensnotwendigkeiten (nichteingebrachte Ernte, unterbliebene notwendige Arbeiten…) und mit dem Eingreifen des Gouverneurs William Phips wurden die Hexenprozesse von Salem 1693 beendet.

Vielfach rezipiert in Literatur, Film und Musik ist Salem ein Synonym für „Hexerei“ und „Hexenverfolgung“ wie kein anderer Ort. Welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass Salem bis heute mit „witchcraft“ assoziiert wird… und inwiefern historische Ereignisse, neuere künstlerische Rezeptionen, aber auch moderne Marketingstrategien daran Anteil haben, sind Leitfragen des Vortrags.

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