Lesungen, Vorträge & Filme

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstler*innen oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autor*innen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referent*innen, Künstler*innen und den Besucher*innen.

Oktober 2022

15.10. Blau mit ganz viel Glitzer

Samstag | 19:00 bis 22:00 Uhr

Feministisches FLINTA*Kultur- und Kunst-Festival plus 29. Leipziger Lesben*Treffen

LESUNG & PODIUM

SARA SCHURMANN & MARIA VÖCKLER
Blau mit ganz viel Glitzer …ist ein “Tatsachenbericht, in dem eine Mutter vom Leben mit ihrem trans Kind berichtet, vom Umgang der eigenen Familie, vom Unverständnis anderer Eltern, der Kindergartenleitung und der Behörden. Die Journalistin Sara Schurmann hatte im Sommer 2019 für ein Interview nach Eltern von trans Kindern gesucht. Die Recherche war nicht leicht, Maria Vöckler war aber schließlich bereit dazu, von ihren Erfahrungen zu erzählen.”
Eintritt nach Selbsteinschätzung

Im Anschluss an die Lesung das PODIUM

Trans*Sein im Jahr 2022

Im Podium:
KATHRIN DARLATT, Gleichstellungspolitische Referentin der Stadt Leipzig, arbeitet in Beratung und Unterstützung von LGBTI bei Benachteiligungen aufgrund sexueller Orientierung, Beratung zur “Eingetragenen Partnerschaft” und für “Regenbogenfamilien”
KAIO FIALA (er), Dip.-Psych., syst. Therapeut i.A.; tätig in der Psychosozialen Beratung im Rosalinde Leipzig e.V.
EMMIE MIKA STEMMER (hän), Sexualwissenschaftler:in, forscht zu trans und nichtbinären Identitäten am Dt. Jugendinstitut

19.10. Lesben in der DDR. Von Unsichtbarkeiten, Emanzipationsbewegung und dem Kampf gegen das Vergessen(-werden)

Mittwoch | 19:00 bis 20:30 Uhr

Feministisches FLINTA*Kultur- und Kunst-Festival plus 29. Leipziger Lesben*Treffen

VORTRAG & GESPRÄCH
mit MARIA BÜHNER und JUDITH GEFFERT

Wie war es, lesbisch in der DDR zu leben und zu lieben? Wofür und wogegen musste gekämpft werden? Ausgehend von diesen Fragen gibt unser Vortrag einen Überblick über die Rahmenbedingungen lesbischer Existenz in der DDR von den 1950er Jahren bis 89/90. Während bis Ende der 1960er Verstecken, Unsichtbarkeit, Disziplinierung und deren Auswirkungen im Fokus stehen, werden für die 1970er bis Anfang der 1990er die dann entstehenden Lesben- und Homosexuellengruppen mit ihren Politiken vorgestellt und (kritisch) befragt. Am Beispiel der „Unabhängigen Frauengruppe Magdeburg“ zeigen wir, wie und warum Lesbengruppen in der DDR gegründet wurden, was ihre Ziele waren, wie sie sich vernetzten und welche gesellschaftliche Rolle sie in den Jahren der Umbruchszeit ab 1989 übernahmen. Wir teilen außerdem eigene Forschungserfahrungen und erzählen von unserer Arbeit zu einer Geschichte, die zum Teil schlecht dokumentiert und lange vergessen wurde.

MARIA BÜHNER ist Historikerin, Kulturwissenschaftlerin und technische Redakteurin. Sie forscht und publiziert im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität Leipzig zu Lesben in der DDR. Sie ist Mitglied im Forschungsnetzwerk „Queere Zeitgeschichten im deutschsprachigen Europa“ und der Überzeugung, dass queere Geschichte für alle zugänglich sein sollte.
JUDITH GEFFERT studierte Literaturwissenschaft und Osteuropastudien in Berlin und Frankfurt (Oder) und arbeitet als freie Radioautor*in zu queerfeministischen und kulturellen Themen. In ihrer Arbeit verbindet sie wissenschaftliche, künstlerische und journalistische Praxen. Ihre Masterarbeit verfasste sie zu dem Thema “Lesbisch-feministische Gegenöffentlichkeit in Magdeburg zwischen 1988 und 1990”.
Eintritt nach Selbsteinschätzung

21.10. Die LESBISCHE LESENACHT

Freitag | 20:00 bis 22:00 Uhr

Feministisches FLINTA*Kultur- und Kunst-Festival plus 29. Leipziger Lesben*Treffen

Wie immer mit berührenden, spannenden und humorvolle Geschichten um Lesben, Liebe, Leidenschaft…

Es lesen: MARLEN PELNY, GESINE CARL & ANNE BAX

Liebe

mit MARLEN PELNY, Berlin
Saschas Kindheit ist stumm. Für ihre Mutter ist sie unsichtbar, dafür quält ihr Vater sie mit viel zu viel Nähe. Nähe, die sich falsch anfühlt. Dann findet sie sich bei ihrem Großvater wieder; dem alten Mann, an dessen Herzlichkeit sie sich erst gewöhnen muss. Sie trifft Charlie, das Mädchen, das sie am ersten gemeinsamen Schultag an die Hand nimmt und nie wieder loslässt. Da sind die Hündin Rosa und das neue Ich, das in Sascha wächst. Ein ungewohntes Gefühl breitet sich in ihr aus: Menschen und Nähe können guttun. Doch das Gestern meldet sich und holt sie ein… wie ihm begegnen?
Das Alte abstreifen, sich lösen vom Schmerzhaften, das Neue ins Leben lassen. Behutsam erkundet Marlen Pelny die Möglichkeit einer Verbundenheit außerhalb der Konstellation Vater-Mutter-Kind. Sascha ist eine wahre Heldin, die nicht aufhört zu glauben: an das Heilen von Wunden, an das Leben und an all die innigen Beziehungen, die es für sie bereithält.

Marlen Pelny, geboren 1981, lebt in Berlin. Sie ist Autorin und Musikerin. Bis 2016 studierte sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2001 gründete sie die Literaturgruppe augenpost, die Gedichte im öffentlichen Raum plakatierte. Von ihr erschienen zwei Lyrikbände. Gemeinsam mit Ulrike Almut Sandig entstanden musikalische Hörbücher. 2013 wurde sie für den Leonce & Lena Preis und den Münchner Lyrikpreis nominiert. Als Musikerin veröffentlichte sie zuletzt, mit ihrer Band Zuckerklub, die EP „Jemand so wie du“. 2021 erschien ihr Debütroman „Liebe/Liebe“, für den sie 2022 den Klopstock Förderpreis erhielt.

Ich bin falsch.

mit GESINE CARL, Hamburg
Seit ihrer Kindheit fühlt sie sich oft nicht gut genug, und infolgedessen nicht liebenswert. Alle ihre Beziehungsversuche scheitern. Doch endlich glaubt sie, die Liebe gefunden zu haben, und fasst den Entschluss, die Dinge aktiv voranzutreiben – mit fatalen Konsequenzen.
Der Umzug nach Hamburg und die Stelle an der Universität sollen für die 29-jährige Doktorandin Merle zum Start in ein neues Leben werden. Weit weg von quälenden Selbstzweifeln und der Schuld, die sie auf sich geladen hat. Ihre neuen Kolleginnen im Historischen Seminar sind freundlich und entgegenkommend. Vor allem Carina, durch deren Lächeln Merle sich jedes Mal wie verwandelt fühlt … Die kostbare Zeit zu zweit ist jedoch knapp, denn es gibt einfach zu viele Störfaktoren: Carinas Freund, ihr Eigenheim mit liebevoll gepflegten Garten – und dann ist da auch noch „Problem-Lena“, die ständig zu Carina in die Sprech-stunde kommt. So kann es nicht weitergehen, beschließt Merle … und fasst den Entschluss, die Dinge aktiv voranzutreiben – mit fatalen Konsequenzen

GESINE CARL, aufgewachsen im Ruhrgebiet. Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Romanischen Philologie; seit 2011 im Schuldienst tätig. Publikationen in Anthologien und Literaturzeitschriften. “Ich bin falsch” ist ihr Romandebüt.

Spätpandemisches, lesbisches Allerlei

mit ANNE BAX, Köln

Tag 145.237.65 der Pandemie und am Horizont wird es langsam heller, denn in Leipzig gibt es endlich wieder die ursprünglichen 3G. Es wird wieder gelesen, gelauscht und gelacht.
Anne Bax nimmt sich sofort ein paar Texte, um sich auf den Weg zu machen. Es gilt in der Lesung eine wichtige Frage zu klären: Können wir dieses Land aus der Pandemie befreien, bevor jede:r einen eigenen Podcast hat?
Und es ist für Frau Bax wie immer eine Gelegenheit die lesbische Kindheit im Ruhrgebiet laut lesend zu verarbeiten:

bp. „Mein vierzehntes Lebensjahr hatte mit einem großen Schluck Pfirsichbowle vielversprechend begonnen. Alles was mir einen festen Platz in der Welt verschaffte, war mir mehr als willkommen. Ungesäuertes Brot in der Kirche, vergorener Traubensaft mit Dosenobst auf der Party, ich war zu allem bereit.“

Eine Stunde voller neuer und alter Geschichten irgendwo zwischen einfachen Abstandregeln und doppeltem Handstandüberschlag. ANNE BAX lebt mit Frau, Stoffschwein und Gleitsichtbrille im Ruhrgebiet.
Eintritt nach Selbsteinschätzung

27.10. Der Bazar. Die Geschichte einer Frauenzeitschrift

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

VORTRAG & DISKUSSION

DR. BARBARA KRAUTWALD, Berlin
„Der Bazar“ war zwischen 1854 und 1900 eine der im Bürgertum bekanntesten und meistgelesenen Zeitschriften, die neben Themen wie Mode und Handarbeiten auch die Rolle der Frau diskutierte. Was ist die Natur der Frau? Welche Art der weiblichen Bildung ist angemessen? Welche Lebensentwürfe sind neben dem der Ehefrau und Mutter noch denkbar? Diese und weitere Fragen werden im „Bazar“ über Jahrzehnte hinweg verhandelt. Anhand der von konservativ bis liberal reichenden Standpunkte untersucht Barbara Krautwald die sich darin widerspiegelnden sozialen Entwicklungen von generellem weiblichen Selbst-verständnis bis hin zum Frauenstudium.

DR. BARBARA KRAUTWALD studierte Geschichte und Soziologie und promovierte an der RWTH Aachen zum Thema „Frauenbilder des 19. Jhs.“. Forschungsschwerpunkt: Historische Geschlechterforschung