Lesungen, Vorträge & Filme
Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstlerinnen* oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autorinnen*-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referentinnen*, Künstlerinnen* und den Besucher:innen.
April 2026
28.04. Warum Freier (fast immer) Männer sind. Über Männlichkeit, Sexualität und Prostitution

Dienstag | 19:00 bis 21:00 Uhr
VORTRAG & DISKUSSION
mit Prof. Dr. ROLF POHL
Veranstaltet von Frauenkultur e.V. Leipzig in Kooperation mit der Gruppe Prostitutionskritik Leipzig und dem Grassi – Museum für Völker-kunde Ort: GRASSI – Museum für Völkerkunde, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig, Treff: Kassenfoyer
Eine aktuelle Anfrage zur Prostitution in Leipzig zeigt: 92,6% der nach dem Prostituiertenschutzgesetz registrierten Prostituierten sind Frauen, rund 69% von ihnen mit Migrationshintergrund. Diese Zahlen erfassen jedoch nur das behördlich bekannte Feld. Studien für Deutschland belegen außerdem: Weniger als 1% der Frauen nehmen sexuelle Dienstleistungen in Anspruch, hingegen haben über 26% der Männer schon mindestens einmal Sex gekauft. Die große Mehrheit der Freier sind also Männer.
Doch warum ist das so? Welche Vorstellungen von Männlichkeit, Weiblichkeit, Sexualität und Macht wirken hier zusammen? Und wie hängen sie mit gesellschaftlichen Normen und struktureller Ungleichheit zusammen? Aus psychoanalytischer und sozialpsychologischer Männlichkeitsforschung lässt sich zeigen, dass Prostitution ein Feld ist, in dem sich Begehren nach dem weiblichen Körper mit Feindseligkeit verschränkt. Diese Verbindung gehört zum unbewussten Fundament von Männlichkeit in hierarchisch-patriarchalen und heteronormativ geprägten Gesellschaften – und ist eine zentrale Quelle geschlechtsspezifischer Gewalt.
Zusammengefasst:
In der Prostitution drückt sich eine sexuelle Gier nach dem weiblichen Körper aus, die Sehnsucht und Feindseligkeit verbindet. Diese Mischung gehört zur unbewussten Grundausstattung von Männlichkeit in Gesellschaften mit einer nach wie vor hierarchischen und hetero-normativen Geschlechterordnung. Sie ist eine der wichtigsten Quellen geschlechtsbezogener Gewalt.
Prof. Dr. ROLF POHL, Sozialpsychologe und bis 2018 Professor am Institut für Soziologie der Universität Hannover, hat diese Dynamiken in seinem Grundlagenwerk „Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“ untersucht. Darin zeigt er: Männlichkeit basiert oft auf der Objektifizierung von Frauen sowie der Abwehr von Weiblichkeit und Abhängigkeit von Frauen. In der käuflichen Sexualität treten diese Mechanismen besonders klar hervor, denn hier kann sich männliche Macht scheinbar widerspruchsfrei den Körper von Frauen aneignen. Mit dieser Vortrags- und Diskussionsveranstaltung wollen wir die geschlechtsspezifischen Strukturen in der Nachfrage nach Prostitution sichtbar machen – und kritisch zur Diskussion stellen.
Gruppenbeschreibung Prostitutionskritik Leipzig: Prostitutionskritik Leipzig ist eine linke Gruppe und Zusammenschluss in Leipzig zur Kritik der Prostitution und der gesellschaftlichen Verhältnisse, die Prostitution hervorbringen. Wir stehen ein für Solidarität mit Betroffenen, Kampf gegen Freier und Zuhälter, gegen Patriarchat und Kapital. @prostitutionskritik_le/
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Mai 2026
12.05. Das machst du doch aus Liebe… oder?!

Dienstag | 19:00 bis 20:30 Uhr
VORTRAG & GESPRÄCH
Mit JO LÜCKE von der Liga für unbezahlte Arbeit__ – @lua_die_carewerkschaft
Wer kümmert sich um Kinder, wenn sie krank sind, um Eltern, wenn sie alt werden, um den Haushalt, wenn alle müde nach Hause kommen? Meistens machen das Menschen im Stillen – oft Frauen – und fast immer ohne Bezahlung. Ohne diese Sorgearbeit würde unser Leben zusammenbrechen. Trotzdem bekommt sie kaum Anerkennung und Schutz.
Die Liga für unbezahlte Arbeit (LUA) sagt: Das muss sich ändern! LUA ist die gewerkschaftsähnliche Interessenvertretung für alle, die unbezahlte Care-Arbeit leisten. Als Carewerkschaft kämpft sie für einen echten Systemwandel. Sorge- oder Care-Arbeit meint dabei alle unbezahlten Aufgaben, die man für andere Menschen übernimmt, von Haushalt über Familienmanagement bis Beziehungspflege.
Im Vortrag zeigt JO LÜCKE auf, warum Care-Arbeit unverzichtbar ist und wie wir ihr endlich die Aufwertung geben können, den sie ver-dient. Sei dabei, diskutiere mit uns und bring deine Perspektive ein. Für alle, die Care-Arbeit leisten, davon profitieren oder einfach mitreden wollen.
Eintritt: nach Selbsteinschätzung
Im Rahmen des Projektes „Nur Wissen reicht nicht für eine gerechte Zukunft!” -> weitere Infos ->
21.05. Mama Superstar

Donnerstag | 17:00 bis 19:00 Uhr
LESUNG im Rahmen des Bundesweiten Aktionstags “Zusammenhalt in Vielfalt”
Porträts elf mutiger „Migrant Mamas“ aus der Sicht ihrer deutschen Töchter
mit der Autorin MELISA MANRIQUE
Hier geht es um bedingungslose Liebe, kulturelle Vielfalt und gelebte Integration. Mit diesem Buch feiern Töchter ihre Mütter: Frauen, die von überall auf der Welt nach Deutschland gekommen sind, um hier eine neue Heimat zu finden.
Das Team von „My Migrant Mama“ versucht dazu beizutragen, der migrantischen Künstlerinnen-Community mehr Sichtbarkeit zu ermöglichen und möchte Migration aus einer neuen Perspektive betrachten. Sie sprechen über Sprache, Arbeit, Kultur, Bildung, Mütter, Töchter, Integration und vieles mehr. Die Autorinnen MELISA & MANIK, sind Gewinnerinnen des Deutschen Integrationspreises und wurden von der Bundesregierung als Kultur- und Kreativpilotinnen ausgezeichnet.
MELISA MANRIQUE wurde in Lima geboren und wuchs in Rom auf – Migration war schon immer Teil ihrer Geschichte. Der Mut ihrer Eltern, ohne soziales Netz oder Sprachkenntnisse ein neues Leben zu beginnen, inspirierte sie nachhaltig. Seit einem Jahrzehnt lebt sie in Berlin und ist selbst eine stolze Migrant-Mama. Als Mitgründerin der Organisation “My Migrant Mama” setzt sie sich für die Sichtbarkeit und Selbstermächtigung von FLINTA*s mit Migrationsgeschichte ein. Mit ihrer Arbeit schafft sie kreative Plattformen für Dialog und interkultu-rellen Austausch und feiert Vielfalt als eine Stärke. Als Speakerin und Aktivistin inspiriert sie durch persönliche Geschichten und innovative Formate, die Mut machen und Brücken bauen. | Veranstaltung mit Kinderbetreuung
Eintritt: nach Selbsteinschätzung
21.05. Co. Roman einer Co-Abhängigkeit

Donnerstag | 19:30 bis 21:00 Uhr
LESUNG & GESPRÄCH
mit der Autorin RINA SCHMELLER, Lübeck | penguin books
Eine Begegnung auf einer Brücke. Ein Erkennen, eine Liebe. Die Entscheidung für ein gemeinsames Leben – ungeachtet der Droge, die ihn begleitet und somit nun auch ihren Alltag bestimmt. Sie verstrickt sich in seine Abhängigkeit, beginnt, um ihn zu kreisen wie er um die Droge: stilles Zentrum, dritte Instanz. Sie flieht immer wieder vor der Gewalt, doch kehrt stets nach Hause zurück – bis sie es eines Tages nicht mehr tut.
„Co“ erzählt von Mitgefühl und schleichender Selbstsabotage. Von der Dynamik der Sucht, einer Krankheit, vor der niemand sicher ist. Davon, was es heißt, co-abhängig zu leben. „Co“ erzählt ebenso von Selbstermächtigung und vom Weg einer Frau, die die Kraft aufbringt, sich zu lösen: ihre Chance zu überleben. Wie sie nach einem eigenen Leben zu suchen beginnt – und mit jeder Phase unabhängiger wird.„Oft denkt man beim Lesen dieses Romans: Warum geht sie nicht? Dieser Roman weist weder Schuldige noch Opfer aus. Es geht vielmehr um die Komplexität einer solchen psychologischen Beziehung.“
RINA SCHMELLER, 1986 geboren, studierte in Leipzig Literarisches Schreiben und in Berlin Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft; erhielt ein Aufenthaltsstipendium und war Teil der Autor*innenwerkstatt Prosa 2020 des Literarischen Colloquiums Berlin.
Eintritt: nach Selbsteinschätzung
26.05. Neon/Grau! 1989 und Ostdeutsche Erfahrungsräume im Pop

Dienstag | 19:00 bis 20:30 Uhr
LESUNG & GESPRÄCH
mit ANNA LUX und JONAS BRÜCKNER
Zwischen Neon und Grau schimmern die vielen Geschichten über den Osten mit all seinen Widersprüchen und Konflikten. Popkultur erzählt davon – in Romanen, im Rap, in Spielfilmen oder Podcasts.
Die Historikerin Anna Lux und der Kulturwissenschaftler Jonas Brückner haben in ihrem Buch „Neon/Grau“ diese Erzählungen zusammengefügt und miteinander in ein Gespräch gebracht. Es geht um Freiheiten und Verluste, um Zugehörigkeit und Ausgrenzung, um Jugend im Umbruch, Geschlechterverhältnisse, den ländlichen Raum. Aus verschiedenen Blickwinkeln brechen sie die allzu oft allzu eindeutigen Ost-Erzählungen auf und halten sie aus, die Vielstimmigkeit, die Ambivalenzen und Widersprüche.
ANNA LUX ist Historikerin und beschäftigt sich mit dem Umbruch seit 1989/90 und populärer Geschichtskultur.
JONAS BRÜCKNER ist Kulturwissenschaftler und forscht zu Männlichkeiten in der späten DDR und Popkultur.
Eintritt: nach Selbsteinschätzung
Im Rahmen des Projektes „Nur Wissen reicht nicht für eine gerechte Zukunft!” -> weitere Infos ->
27.05. Stolz & Eigensinn

Mittwoch | 17:00 bis 19:00 Uhr
FILM & EINFÜHRUNG
Film von GERD KROSKE; D 2025, 113 Minuten
Deutschland unmittelbar nach der Wende. Die zweite große Entlassungswelle hat den Osten erreicht. Frauen aus den ehemaligen Industrie-Großbetrieben der DDR erzählen mit heute überraschender Selbstverständlichkeit über sich und die persönlich erlangte Unabhängigkeit durch ihre Arbeit. Selbstbewusst und emanzipiert teilen sie ihr Erstaunen darüber, dass plötzlich nur noch Männer ihre Arbeiten machen sollen. Sie erzählen auch von den einstigen Utopien, die es heute nicht mehr gibt. Zudem sehen wir Aufnahmen aus ihrem Arbeitsalltag in längst verschwundenen Industriegebäuden und Braunkohle-Zechen. Auf alten U-matic-Bändern aus den Beständen des ehemaligen Leipziger Piratensenders KANAL X sind die Interviews erhalten.
Nach über 30 Jahre barg Gerd Kroske diesen filmischen Schatz aus dem Archiv und fand die Arbeiter:innen von damals wieder. Einer Versuchsanordnung gleich, wird das alte Material neu kommentiert und hinterfragt. „Stolz und Eigensinn“ ist eine mediale Einkreisung, die eine Lücke schließt und Frauen porträtiert, die sich ihren Stolz und Eigensinn bis heute bewahrt haben.
Was wurde einst gewonnen? Was ist verloren? Was ist geschehen?
GERD KROSKE geboren in Dessau, Lehre als Betonwerker. Telegrammbote. Studium Kulturwissenschaften und Regie an der HFF „Konrad Wolf“. Arbeit als Autor & Dramaturg im DEFA-Dokumentarfilmstudio. Freischaffend seit 1991. Produzent bei realistfilm seit 1996.
Kooperation Kinobar Prager Frühling und Frauenkultur
-> Vorverkauf hier? -> Eintritt: 8,50 | 7,00 Euro ermäßigt
Ort: Kinobar Prager Frühling
Bernhard-Göring-Straße 152 / Haus der Demokratie, 04277 Leipzig