Lesungen, Vorträge & Filme

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstler*innen oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autor*innen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referent*innen, Künstler*innen und den Besucher*innen.

Oktober 2020

08.10. Wege zum Nein. Emanzipative Sexualitäten und queer-feministische Visionen

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

VORTRAG & DISKUSSION

Referentin*: SINA HOLST und JOHANNA MONTANARI, Berlin

„Wege zum Nein“ betrachtet die Reform des Sexualstrafrechts 2016 im gesellschaftlichen Kontext sexueller Gewalt, sexueller Selbstbestimmung und Emanzipation. Antirassistische queer-feministische Perspektiven beziehen klare Positionen, machen sich angreifbar und treten in Austausch miteinander. Sexualstrafrecht, #NeinHeisstNein, rassistische Instrumentalisierung, Rassismus in Deutschland, Vergewaltigungskultur, persönliche Erfahrungen, feministische Geschichten und Konsens werden nicht als Einzelthemen, sondern in ihrer Abhängigkeit voneinander diskutiert. Dabei ist die zentrale Frage, wie Räume sozialer Interaktion geschaffen werden können, in denen Nein nicht nur möglich ist, sondern wertgeschätzt wird. Die Publikation gibt einerseits unterschiedlichen Analysen Raum, die den gesellschaftlichen Status Quo thematisieren und attackieren. Andererseits entwirft, formuliert sie Argumente und Visionen, diesen Status Quo zu verändern, sich Handlungsmacht anzueignen und diese zu erweitern.

SINA HOLST und JOHANNA MONTANARI publizieren unter dem Namen The Irksome Institute (Berlin, gegründet 2015), hinterfragen patriarchale Logiken und entwerfen Visionen feministischer Zukunft. Zwei Publikationen erschienen im Eigenverlag („Hysterical Experiments“ 2015 und „Who Cares?“ 2016).

Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

15.10. Die lesbische Filmnacht

Donnerstag | 19:30 bis 21:30 Uhr

LESBISCHE FILMNACHT

blow
Regie: Elsa Carnaby, Australien, 2001, 9 min
Eine niesende liebenswerte Teenagerin… allergisch auf ihr Leben…

L*a belle saison – Eine Sommerliebe*
Regie: CATHERINE CORSINI, Frankreich, Belgien 2015, OmdU, 2015, 105 min., FSK 12
Im Frankreich der 1970er Jahre zieht die 23-jährige Delphine vom Bauernhof ihrer Eltern nach Paris, um Engstirnigkeit und ländlichen Moralvorstellungen zu entkommen. Dort lernt sie die extrovertierte Carole kennen, mit der sie sich gemeinsam in der Frauenrechtsbewegung engagiert und sich sogleich unsterblich in sie verliebt. Es dauert nicht lange, bis auch Carole, die noch nie mit einer Frau zusammen war, ihre Gefühle für Delphine entdeckt.

Ihre stürmische Beziehung wird jäh unterbrochen, als Delphines Vater schwer erkrankt und sie aufs Dorf zurückkehren muss, um ihrer Mutter bei der Arbeit auf Hof zu helfen. Von Sehnsucht getrieben, beschließt Carole ihren langjährigen Freund zu verlassen und Delphine zu folgen. Für die beiden Frauen beginnt ein Sommer voller leidenschaftlicher und glücklicher Momente. Als das idyllische Landleben jedoch erste Schattenseiten zeigt, muss Delphine schon bald entscheiden, wie offen sie zu ihrer Liebe stehen kann. Die Kritiken sind sich einig:
bq. „Ein Film, der zu Herzen geht… und voll unwiderstehlicher Energie.“ Le Parisien
„Ein lebensbejahendes Plädoyer für die Freiheit zu lieben.“ Le Journal des Femmes
„Diese große Liebesgeschichte ist ein seltenes Juwel.“ Glamour Paris

Ort: Frauenkultur Leipzig || Eintritt: frei

16.10. Vom Kinderwunsch zum Wunschkind

Freitag | 17:00 bis 18:00 Uhr

VORTRAG UND GESPRÄCHSRUNDE

Mit NANCY SCHMIDT von den queerkids Leipzig

Welche Wege gibt es für lesbische Paare, sich den Kinderwunsch zu erfüllen? Was muss bei der Suche nach einem Spender beachtet werden? Wie läuft das Stiefkind-Adoptionsverfahren ab? Auf diese und weitere Fragen rund um das Thema Regenbogenfamilie geht die Veranstaltung ein, auch unter Berücksichtigung der aktuellen gesetzlichen Vorhaben. Zugleich besteht
Gelegenheit für eigene Fragen und den Erfahrungsaustausch. Weitere Infos unter: www.queerkids.de

Eintritt gegen Spende

17.10. Unter’m Regenbogen in Polen?

Samstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

OFFENE THEMENRUNDE

Zu den aktuellen Entwicklungen um „LGBT-freie Zonen“
Mit JULIA MACIOCHA, Präsidentin des Warschauer Pride

In Polen erklären sich seit 2019 Gemeinden, Kreise und Provinzen zu sogenannten „Zonen frei von LGBT-Ideologie”, kurz: „LGBT-freie Zonen“. Ihre Zahl steigt, vor allem im ländlichen, katholisch geprägten Südosten des Landes – und mit ihnen die Gewalt gegen Menschen, die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, intersexuellen und queeren Menschen (LGBT+) einsetzen. Die Stichwahl um das Amt des Präsidenten im Juli dieses Jahres war knapp. Der konservative Amtsinhaber Andrzej Duda, der im Wahlkampf den „Schutz der Familie“ vor der „LGBT-Ideologie“ beschwor, setzte sich gegen seinen liberalen Herausforderer Rafał Trzaskowski durch. Wir nehmen das Ergebnis dieser Wahl zum Anlass, um zurück auf die Entwicklungen seit 2019 zu schauen und aktuelle Perspektiven der polnischen und europäischen LGBT+-Community in den Blick zu nehmen.

Diese Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem LSVD Sachsen. Dessen Vertreterin SABINE SCHANZMANN-WEY wird von den Aktionen des LSVD zu diesem Thema und den Reaktionen darauf berichten.

Eintritt: frei

18.10. Die Sportlerin. Die Geschichte der feministischen Kickboxerin Claudia Fingerhuth

Sonntag | 13:00 bis 14:00 Uhr

LESUNG

Mit ULRIKE GRAMANN
“Bewegung ist ihre große Begabung, größte Freude von Mädchenbeinen an, Straßenfußball, Basketball, Tennis, Leichtathletik… Schnell, kraftvoll, beweglich findet sie in jede Sportart hinein. Aufgewachsen im West-Berlin der 1960er Jahre, erlebt Claudia Fingerhuth die politischen Auseinandersetzungen der 1980er in Berlin-Kreuzberg, Proteste, Umbrüche, Aufbrüche. Die Frau mit dem Körper einer Leistungssportlerin begegnet Kickboxen, feministischer Selbstverteidigung und Wendo und verschreibt sich konsequent dem Breitensport.

„Unsere Kraft erkennen und freisetzen, gemeinsam in Bewegung sein, unabhängig davon, welche körperlichen Voraussetzungen wir mitbringen, unabhängig davon, welche Verletzungen aus der Vergangenheit uns begleiten…“ – das ist Claudia Fingerhuths Konzept. Denn: “Du musst keine geborene Kämpferin sein, um mit uns zu trainieren!”

Veranstaltung der Feministischen Bibliothek MONAliesA | Lotta e.V. | www.monaliesa.de www.facebook.com/MONAliesAleipzig

Eintritt: gegen Spende
Ort: Frauenkultur Leipzig:

22.10. Mit Mut und List: Europäische Frauen gegen Faschismus und Krieg

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

FEMINISTISCHE LESUNG

Mit DR. FLORENCE HÉRVE, Düsseldorf

Die Widerständigen Europäische Widerstandskämpferinnen kommen aus allen europäischen Ländern. Sie haben sich an allen Aktionen des antifaschistischen Widerstands beteiligt, Verantwortung übernommen, besondere Formen der Résistance entwickelt, und selbst mit Waffen gekämpft. Davon erzählt DR. FLORENCE HERVÉ in ihrem neuen Buch anhand biografischer Beispiele von Frauen im Widerstand gegen Besatzung und Krieg, u.a. aus Deutschland, Griechenland, Frankreich, Italien, Polen und der damaligen Sowjetunion.
Diese Frauen haben zudem die ihnen zugewiesene hergebrachte Geschlechterrolle durchbrochen und ihre Emanzipation gelebt. Erst im Jahr 2019 hat der Deutsche Bundestag beschlossen, den Beitrag von Frauen zum deutschen Widerstand zu würdigen – der mutige Widerstand in anderen europäischen Ländern blieb unerwähnt. In dieser Anthologie werden hingegen 75 Frauen aus mehr als zwanzig Ländern vorgestellt. Ein breites Team von Wissenschaftlerinnen und Journalistinnen aus ganz Europa hat dazu beigetragen. Sie vervollständigen das historische Bild vom antifaschistischen Widerstand um die Frauenperspektive und machen zugleich Mut für den Einsatz gegen Neofaschismus, Rechtspopulismus, Fremdenhass, Sexismus und Krieg. Mit Musikeinspielungen.

Dr. FLORENCE HÉRVE, geb. 1944. Lebt und arbeitet seit Mitte der 60er Jahre in Deutschland. Studium der Germanistik in Bonn und Paris, Seit 1967 freiberuflich tätig als Freie Journalistin für zahlreiche Sender und Zeitschriften, Autorin von zahlreichen Büchern. Sie ist Mitgründerin und Redakteurin des Kalenders WIR FRAUEN seit 1979 und der Zeitschrift WIR FRAUEN seit 1982 – und war Lehrbeauftragte an den Universitäten Marburg, Duisburg und Münster
Eintritt: 4,- | 2,- Euro

29.10. BeDeutungen dekolonisieren. Spuren von (antimuslimischem) Rassismus

Donnerstag | 19:00 bis 21:00 Uhr

VORTRAG UND DISKUSSION

Referent*in:
MARIAM POPAL

Die Referentin gab gemeinsam mit Professorin Iman Attia das Buch „BeDeutungen dekolonisieren“ heraus. Sie zeigen auf, wie (antimuslimischer) Rassismus sowohl historisch als auch gegenwärtig mit anderen Rassismen verwoben ist – und aus Formen von „Einteilungen“ nach Religion, vermeintlicher Rasse und Kultur und Kolonisierung schöpft. Sie fragen nach Hintergründen von BeDeutungen. Durch die Spiegelung historischer Ereignisse und Zusammenhänge entdecken sie „Sichtweisen“, die uns bis heute – bewusst und unbewusst – verfolgen. Gleichzeitig laden sie dazu ein, Möglichkeiten zu imaginieren, die das Andere nicht als „anders“ auffassen. Sie laden ein, Freiräume zu schaffen für unabgeschlossenes, prozessuales und dynamisches (Neu-)-Denken.

PROF. IMAN ATTIA, Professorin für Critical Diversity Studies mit den Schwerpunkten Rassismus und Migration an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Sie arbeitet aktuell an globalgeschichtlichen und intersektionalen Perspektiven in der historisch-politischen Bildung; untersucht im Auftrag des Innenministeriums antimuslimischen Rassismus und entwickelt Handlungsvorschläge gemeinsam mit Sachverständigen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft

MARIAM POPAL ist Research Fellow in Advanced African Studies an der Universität Bayreuth und habilitiert sich in der Comparative Literature. Sie schloss ihre Doktorarbeit an der Universität Hamburg zur Scharia aus (rechts-)vergleichender, feministischer und post-kolonialer Perspektive ab. Sie lehrt und forscht u.a. zu Modernen englisch(-sprachigen) Literaturen, zu Postcolonial und Decolonial Studies und (antimuslimischem) Rassismus.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt