Lesungen, Vorträge & Filme
Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstlerinnen* oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autorinnen*-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referentinnen*, Künstlerinnen* und den Besucher:innen.
Oktober 2026
22.10. Digitale Zivilcourage & Hass im Netz

Donnerstag | 18:00 bis 19:30 Uhr
VORTRAG & DISKUSSION
Mit SARAH SHIFERAW
Hassrede, Desinformation und Verschwörungserzählungen prägen zunehmend den digitalen Alltag – mit Folgen weit über das Internet hinaus. Wie lassen sich Falschinformationen erkennen? Warum sind Verschwörungserzählungen so wirkmächtig? Und wie können wir im Netz Zivilcourage zeigen, ohne uns selbst zu überfordern? SARAH SHIFERAW gibt Einblicke in aktuelle Entwicklungen und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie jede und jeder zu einer demokratischen Debattenkultur beitragen kann. Im anschließenden Gespräch geht es um praktische Strategien im Umgang mit Online-Hass, digitale Medienkompetenz und die Frage, wie wir demokratische Werte auch im digitalen Raum stärken können.
SARAH SHIFERAW arbeitet als Bildungsreferentin und Analystin am Institut für Strategischen Dialog (ISD). Seit mehr als 15 Jahren ist sie in der Erwachsenenbildung tätig und berät Unternehmen sowie Nichtregierungsorganisationen zu den Themen Demokratieförderung, digita-le Resilienz und Diskriminierung.
Eintritt: nach Selbsteinschätzung
November 2026
05.11. Wer ist hier eigentlich verrückt?

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr
VORTRAG & DISKUSSION
Diagnosen, Normalität und die Produktion psychiatrischen Wissens
Mit ECHO WICHERA
Was passiert eigentlich, wenn eine Erfahrung zur psychiatrischen Diagnose wird? Wer entscheidet darüber, welche Wahrnehmungen, Gefühle und Verhaltensweisen normal, krank oder gefährlich sind? Wir beschäftigen uns mit psychiatrischen Diagnosen, ihrer Geschichte und ihren gesellschaftlichen Wirkungen. Dabei geht es nicht darum, Leiden oder schwierige Erfahrungen abzusprechen. Vielmehr fragen wir, welche Erklärungen Diagnosen anbieten, was sie ermöglichen und was durch sie vielleicht unsichtbar wird.
Wir untersuchen, wie Vorstellungen von Normalität mit Race, Geschlecht, Sexualität, Klasse und Behinderung verbunden sind und wessen Wissen über Verrücktheit gesellschaftlich ernst genommen wird. Perspektiven aus Antipsychiatrie und Mad Studies helfen uns dabei, Erfahrungswissen als Wissen ernst zu nehmen und andere Sprachen für Krise, Verrücktheit und Distress auszuprobieren.
ECHO WICHERA ist Künstler*in, Antipsychiatrie-Aktivist*in und PhD-Forscher*in an der Queen Margaret University Edinburgh zu Sound Art, Mad Studies und Psychiatrie. Echo ist Mitherausgeber*in der Gegendiagnose-Bände und hat an der deutschen Ausgabe von Psychiatrie überwinden mitgearbeitet. || Eintritt: nach Selbsteinschätzung
12.11. Die Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig (heute HGB) im Nationalsozialismus.

Donnerstag | 18:00 bis 19:30 Uhr
VORTRAG & DISKUSSION
mit JULIA BLUME, Kunsthistorikerin, Leipzig
Der Vortrag widmet sich einem bisher kaum beleuchteten Kapitel der Hochschulgeschichte. In nur wenigen Jahren wurde aus der international beachteten Akademie ein bedeutungsarmes Institut. Prägende, lehrende Persönlichkeiten wie Hugo Steiner-Prag und Hans Alexander Müller wurden vertrieben, jüdische Studierende ausgegrenzt, ehemalige Student:innen – die Leipziger Kultur und Kunst bereicherten – wurden verfolgt und ermordet. Die Zeitschrift „Wächterstraße 11“, herausgegeben vom nationalsozialistischen Studierendenbund, wurde zum Spiegel der vorherrschenden Ideologie und zum Dokument des Hochschulalltags. Im Vortrag werden durch Zitate, Bildbeispiele und biografische Einblicke die bruchstückhaften Überlieferungen in den Archiven ergänzt und ins Verhältnis zur damaligen Kulturpolitik in der Stadt Leipzig gesetzt.
JULIA BLUME lehrte bis 2025 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig; leitete dort auch das Institut für Buchkunst und das Archiv der HGB. | | Eintritt: nach Selbsteinschätzung
15.11. Wogen des Lebens

Sonntag | 16:00 bis 17:30 Uhr
LESUNG mit anschließender Publikumsdiskussion
Mit VIRGINIE BLEI, Leipzig
Für die Autorin, die in dieser Lesung ihr zweites Buch vorstellt, ist Literatur „ein lebendiger Ort der Begegnung, des Austauschs und der persönlichen Auseinandersetzung“.
„Wogen des Lebens“ ist ein Reisedrama, in dem sich die junge Protagonistin durch unglückliche Umstände an einem Ort wiederfindet, an dem sie niemals sein wollte. Mit der Realität, die sie dort erwartet, kommt sie nur schwer zurecht. In ihren Träumen flüchtet sie deshalb immer wieder an einen persönlichen Kraft-Ort – an die Trauminseln, an denen sie eigentlich sein möchte. Die Reise zwischen Realität und Traum wird dabei zu einer Reise zu sich selbst. Das Buch erzählt von Sehnsucht und Freiheit, Mut und Hoffnung, weiblicher Würde und dem Kampf um die eigene Selbstbestimmung. Gleichzeitig lädt es ein, über eigene „Traumorte“ nachzudenken: Wo möchte ich sein? Was hält mich zurück? Und wie kann es gelingen, trotz schwieriger Lebensumstände den eigenen Weg zu finden? Die Lesung soll Mut machen, über die eigenen Wünsche und Möglichkeiten nachzudenken und den Gedanken zu vermitteln, dass auch unerwartete Wege zu neuen Perspektiven führen können.
VIRGINIE BLEI, langjährige Tätigkeit als Autorin, veröffentlichte bereits „Irgendwo zwischen Himmel und Hölle“. Sie ist zudem tätig als Tänzerin und Schauspielerin und engagiert sich in verschiedenen kulturellen und inklusiven Projekten. || Eintritt nach Selbsteinschätzung
27.11. Bitch Hunt

Freitag | 18:00 bis 19:30 Uhr
LESUNG & DISKUSSION
Mit VERONIKA KRACHER
Im Sommer 2022 offenbarte die Hasskampagne gegen die Schauspielerin Amber Heard, wie salonfähig es ist, Opfer häuslicher Gewalt zu verhöhnen und wie omnipräsent Frauenhass in unserer Gesellschaft nach wie vor ist. Was früher in den reißerischen Printmedien stattfand, passiert heute online & in Echtzeit. Ein breites Publikum beteiligt sich begeistert an Hass und Hetze gegen Frauen – stellenweise sogar ungehemmt unter vollem Klarnamen. Influencer, deren Content ausschließlich aus Angriffen gegen Frauen und queere Menschen besteht, erreichen auf Sozialen Medien ein Millionenpublikum. Digitale Plattformen unterbinden diesen, oft gegen Einzelpersonen gerichteten Hass, nicht – ganz im Gegenteil, denn hinter dem Hass steckt oft ein System, das gewinnbringende Klicks generiert.
In “Bitch Hunt” analysiert Veronika Kracher die Funktion digitaler Misogynie, welche Rolle misogyne Kampagnen im rechten Kulturkampf spielen, und wieso Soziale Medien alltäglichen Frauenhass in einer patriarchalen Gesellschaft derart verstärken. Letztendlich leiden nicht nur Betroffene unter diesen Dynamiken, sondern unsere Demokratie.
VERONIKA KRACHER, geb. 1990, studierte Soziologie und Literaturwissenschaften; ist als Autorin, Publizistin und Bildungsreferentin tätig. Seit 2015 beschäftigt sie sich mit den Themenfeldern digitale Misogynie, Antifeminismus, Online-Radikalisierung und Rechtsextremismus. 2020 veröffentlichte sie „Incels – Geschichte, Sprache und Ideologie eines Online-Kults“. || Eintritt: nach Selbsteinschätzung