Lesungen, Vorträge & Filme

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstler*innen oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autor*innen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referent*innen, Künstler*innen und den Besucher*innen.

Januar 2020

16.01. Ein Tor für die Freiheit.

Donnerstag | 16:00 bis 18:00 Uhr

EINFÜHRUNG & FILM

Frauenfußball in Kabul.

Regie: Gelareh Kiazand | Dokumentation, D 2018 | 45 Minuten
Fußball für Mädchen ist für viele afghanische Familien ein Tabu. Damit ist Madina Azizi als Spielerin und als Trainerin einer Mädchen-Mannschaft konfrontiert. Mit 20 Jahren ist für die meisten jungen Frauen Schluss mit Fußball, weil sie dann das heiratsfähige Alter erreicht haben. Kaum eine verheiratete Frau darf Sport treiben. Das macht es schwer, Frauenvereine aufzubauen und
am Leben zu erhalten.

„Ich versuche, mehr Sportkultur in mein Land zu bringen, damit auch Mädchen Sport treiben können. Wenn ich mich nicht dafür einsetze, wer tut es dann?“, fragt Madina Azizi aus Kabul. Die 23-Jährige ist Fußballtrainerin und ehemalige Nationalspielerin Afghanistans.

Dafür wird sie gefeiert, aber auch angefeindet. Ihr Engagement für mehr weibliche Selbstbestimmung in einer traditionellen, patriarchalischen Gesellschaft ist nicht überall gern gesehen.
Unterstützt wird Madina Azizi von Khalida Popal, die im Jahr 2008 die erste Kapitänin der afghanischen Frauen-Nationalmannschaft war. Mittlerweile lebt Khalida Popal in Dänemark, weil sie in Kabul um ihr Leben fürchtete. Sie versucht aber weiterhin, den aktiven Frauen in ihrer Heimat zu helfen und den Sport zu professionalisieren. Gemeinsam engagieren sich die beiden Frauen für mehr weibliche Selbstbestimmung in einer traditionellen, patriarchalischen Gesellschaft.
Eintritt: frei

23.01. Grenzen der Menschenrechte.

Donnerstag | 19:00 bis 21:00 Uhr

VORTRAG & Diskussion

Staatsbürgerschaft, Zugehörigkeit, Partizipation

Referentin: Dr. FRANZISKA MARTINSEN, Hannover

Im derzeitigen „Katalog der Menschenrechte“ fehlt ein zentrales Recht, das Hannah Arendt das „Recht auf Rechte“ nennt. Dadurch bleibt vielen Menschen, wenn sie nicht Staatsbürger*innen eines Landes sind, in der nationalstaatlichen Praxis das Recht auf politische Mitgestaltung vorenthalten. 70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist daher eine kritische Revision des Menschenrechtsverständnisses dringend erforderlich. Franziska Martinsen erläutert ihren Theorie-Ansatz aus der Perspektive der Radikalen Demokratie 1). Ihr vorgestellter Ansatz besagt, dass Menschenrechte erst dann ihr ermächtigendes Potenzial weltweit entfalten können, wenn sie weniger als humanitäre denn als originär politische Rechte verstanden werden.

PD Dr. FRANZISKA MARTINSEN ist Privatdozentin an der Leibniz Universität Hannover und forscht und lehrt als Gast- und Vertretungsprofessorin für Politische Theorie und Ideengeschichte an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland. Ihre Forschungsgebiete umfassen u.a. Politische Philosophie, Politische Theorie und Ideengeschichte und Geschlechterstudien.
Eintritt. 4,- | 2,- Euro ermäßigt



1)  zur Radikalen Demokratie: In der Idee der Radikaldemokratie geht es vorallem um die Demokratisierung aller gesellschaftlichen Verhältnisse, d. h. um die Überwindung autoritärer und hierarchischer Strukturen, die Voraussetzung für eine selbstbestimmte Gestaltung aller Lebensverhältnisse eines jeden Einzelnen sind. Weil entscheidende Bereiche demokratischer Kontrolle entzogen (wie z. B. in der Wirtschaft) oder autoritär organisiert sind (wie z. B. das Bildungssystem), kritisieren Radikaldemokraten den undemokratischen Charakter dieser Gesellschaft und treten für ihre Veränderung ein. Es geht hierbei vor allem um die Emanzipation des Einzelnen und gesellschaftliche Verhältnisse, die Selbstbestimmung umfassend ermöglichen. Befreiung des Einzelnen von Herrschaft und Unterdrückung und die Schaffung einer emanzipatorischen Gesellschaft sind in der Radikaldemokratie untrennbar miteinander verbunden.