Lesungen, Vorträge & Filme

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstler*innen oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autor*innen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referent*innen, Künstler*innen und den Besucher*innen.

Mai 2019

07.05. Aufrecht im Gegenwind. Kinder von 89ern erinnern sich.

Dienstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

LESUNG & Gespräch
Mit URTE VON MALTZAHN-LIETZ, Leipzig

Eine Generation nach der Friedlichen Revolution war es quasi an der Zeit, den Kindern der 89er eine Plattform zu geben, über welche sie die damaligen Ereignisse aus ihrer persönlichen Erlebniswelt erzählen können. In seinem 2010 herausgegebenen Buch porträtiert Sebastian Pflugbeil DDR-Kinder politisch aktiver Eltern.

Eine von ihnen: Urte von Maltzahn-Lietz, geb. 1972 in Güstrow. Die Illustratorin und Grafikerin lebt und arbeitet heute in Leipzig. Sie ist Tochter des Pfarrers und Bürgerrechtlers Heiko Lietz. Sie erzählt, wie sie den Umbruch erlebte, die Treffen der Bürgerrechtler*innen in der Wohnung, die Vorbereitungen von Aktionen oder Aktivitäten der Staatssicherheit. Durch das sehr authentische und persönliche Erzählen ergeben sich überraschend neue Perspektiven auf die Wendezeit und ihre Vorgeschichte.
Eintritt: frei

Unterstützt durch das Zeitzeug*innen-Büro der „Bundesstiftung Aufarbeitung“.

09.05. Herausforderung Geburtshilfe

Donnerstag | 19:00 bis 20:30 Uhr

Am 5. Mai wird seit 1991 der Internationale Hebammentag in mittlerweile mehr als 50 Ländern begangen, um Hebammen und ihre Arbeit zu ehren und auf die Bedeutung der Hebammen für die Gesellschaft hinzuweisen. Aber nicht nur in Deutschland ist der „Mangel an Hebammen“, an zu wenig Kreißsälen (und das bei einer steigenden Geburtenzahl) längst ein gesellschaftspolitisches Problem – deren Folgen Frauen und Kinder (er-)tragen müssen. Die Gründe sind bekannt: Zu schlechte Bezahlung für die Leistungen der Hebammen, die starre Ausrichtung der gesamten Geburtshilfe auf Wirtschaftlichkeit – und die nach wie vor existierende Benachteiligung fast aller frauentypischen Berufsgruppen. Frauen werden aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit nachgestellt: Das ist struktureller Sexismus. Sexismus und ein Dagegen-Kämpfen gehört zum weltweiten (Berufs-)Alltag von Frauen – besonders in der „Herausforderung Geburtshilfe“… auch und insbesondere in Afrika.

Herausforderung Geburtshilfe

Regie: Karin C. Falck und Loui Bernal | Dänemark,Schweden | 2009 | 52 Minuten

In Afrika sterben jährlich mehr als 250.000 Frauen bei der Geburt eines Kindes oder im Wochenbett. In Mosambik hat man nun mit Hilfe unkonventioneller Programme den Kampf gegen diese hohe Sterblichkeit aufgenommen. Die mit dem Emmy Award ausgezeichnete Dokumentation begleitet Emilia Cumbane, eine der ersten Mosambikanerinnen, die zur medizinischen Fachkraft für Geburtshilfe ausgebildet wird, durch ihren Alltag. Die junge Frau erwirbt medizinische Grundkenntnisse und absolviert Nachtdienste in Geburtsstationen. Dort muss sie für die Anerkennung ihrer geburtshelferischen Kompetenzen kämpfen. Wenn sie in Not-Operationen im ländlichen Mosambik Kaiserschnitte und Gebärmutterentfernungen durchführt, geht es immer um Leben und Tod. Trotz aller widrigen Umstände erklärt Emilia Cumbane: “Ich bin gerne Hebamme. Es ist ein guter Beruf, denn er bringt Menschen zur Welt.” Der Film dokumentiert die schwierige Rettung gefährdeter Mütter und die unorthodoxen Selbsthilfeprogramme zur Verbesserung des Gesundheitssystems in Afrika.
Eintritt: frei

22.05. Im Schatten des Apfelbaums

Mittwoch | 11:00 bis 13:00 Uhr

FILM & GESPRÄCH

65 Jahre Ehe, vier Systeme, zwei Menschen, eine Liebe

Dokumentarfilm von CLAUDIA EUEN (62 min) | anschl. Gespräch mit der Regisseurin

Als ich Kind war, nahm mein Großvater oft die Hand meiner Großmutter, sie küssten sich und wichen niemals von der Seite des anderen. Treue für immer. Trotz Alltag und Entbehrungen. Meine Großeltern waren Kriegskinder. Meine Jugend hingegen war unbeschwert, doch als meine Beziehung zerbrach, fragte ich mich, wie sie das geschafft haben? Ein Film über die Liebe und alles was dazu gehört.

CLAUDIA EUEN, Journalistin aus Leipzig, hat einen Dokumentarfilm über die Liebe gemacht… und über das gemeinsame Alt-Werden. Im Schatten des Apfelbaums ist gleichzeitig Liebesgeschichte und Zeitdokument. Es ist ein Film über zwei Menschen, die ein unsichtbares Band verbindet, die das Schicksal zusammentrieb und nicht wieder auseinander. Poetische Bilder erzählen von etwas, was selbst für die beiden nur schwer in Worte zu fassen ist. Der Film lief international auf mehreren Festivals.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro

23.05. Warum der Feminismus von heute eine wütende Bitch sein muss.

Donnerstag | 19:00 bis 21:00 Uhr

VORTRAG UND DISKUSSION
mit ERICA ZINGHER

Ein Plädoyer für Wut.

„Verwandelt […] Wut in politische Macht“ schrieb die schwarze Feministin Alice Walker 1992 in einem Aufruf. Ein Jahrzehnt zuvor kämpften westdeutsche Feminist*innen gemeinsam im Widerstand gegen Unterdrückung. Es entstand ein wütender, militanter Feminismus.

Die Emotion Wut ist zentral für unsere Gesellschaft. Nur verträgt sie sich nicht mit der konservativen Geschlechterordnung. Denn: Frauen* dürfen nicht wütend sein. Sie sollen genügsam, einfühlsam, friedfertig sein, um so der Norm und dem Konzept „der Frau“ zu entsprechen. Und um die patriarchale Gesellschaftsstruktur nicht zu gefährden.
Doch es gibt und gab schon immer wütende Frauen*. Sie wurden als Hexen, Hyänen oder Emanzen sanktioniert, aus der Gesellschaft aus-geschlossen und verfolgt. Was sie einte: Sie verstanden ihre Wut nicht als irrationales Gefühl, sondern als ein produktives Potenzial zur Veränderung. Was lässt sich daraus ableiten? Es braucht wütende Feminist*innen. Reale gesellschaftliche Veränderungen kann es nie ohne Konflikte, Auseinandersetzung und Streit geben.

Der Vortrag wird zu Beginn eine kurze Einführung in das geschlechtsspezifische Konzept von_ Wut_ geben. Im Anschluss soll anhand von Beispielen gezeigt werden, welche Formen des wütenden feministischen Protestes es bereits gab – und was sich daraus für den heutigen feministischen Kampf mitnehmen lässt.

Erica Zingher studierte Ethnologie und Gender Studies in Berlin sowie Osteuropastudien in Hamburg. Sie arbeitet als freie Journalistin u.a. für ZEIT ONLINE und lebt derzeit in Berlin.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt