Lesungen, Vorträge & Filme

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge, Lesungen & Filme aus feministischer Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstler*innen oder zu Frauen*, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autor*innen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referent*innen, Künstler*innen und den Besucher*innen.

Oktober 2019

23.10. Frau Frieden Sozialismus. Die neue Wertschätzung der Frau im DDR-Markenbild

Mittwoch | 11:00 bis 13:00 Uhr

VORTRAG & GESPRÄCH
Mit CONSTANZE MUDRA

Die Briefmarken der DDR sollten nicht nur im Ausland das eigene Land repräsentieren und für den Sozialismus agitieren. Innerhalb der eigenen Grenzen sollten sie zur Erziehung des Einzelnen zu einer sozialistischen Persönlichkeit und zur Herausbildung des „Neuen Menschen“ beitragen. Ein wesentlicher Aspekt dieses Leitbildes war die Befreiung sowie Gleichstellung der Frau, die auf vielfältige Weise propagiert und auch auf zahlreichen Emissionen der DDR zum Ausdruck gebracht wurde. Mithilfe der Philatelie soll als ein „Instrument der Zeitdiagnose“ der Versuch unternommen werden, die neue Stellung der Frau in der Gesellschaft – in Kultur, Ökonomie und Wissenschaft, in der Volksbildung, innerhalb gesellschaftlicher Organisationen sowie im aktiven Eintreten für die Sicherung des Weltfriedens und für die Solidarität – zu rekonstruieren.

Eintritt: frei

24.10. I’m a Queerfeminist Cyborg, that’s okay.

Donnerstag | 18:00 bis 20:00 Uhr

LESUNG & GESPRÄCH

Von und mit MIKA MURSTEIN
queere_r, be_hinderte_r Autor_in und Aktivist_in

“I’m a queerfeminist Cyborg, that’s okay“ ist kein rein wissenschaftliches Buch, obwohl es Theorien der disability studies, der Sozialwissen-schaften und der Philosophie aufgreift. Es ist kein geschichtliches Buch, obwohl es auch von Zeitzeug_innenschaft erzählt. Es ist eher ein persönlicher Bericht, wie Mika Murstein zu dieser Form des Aktivismus gekommen ist, welche Erlebnisse Mika auf dem Weg dahin geprägt haben. Zudem werden das Verhältnis von Be_Hinderung und Geschlecht jenseits der cis-Normativität, Verschränkungen von Klassismus und Ableismus, Diskussionen über Empowerment, (vermeintliche) Schutzräume und institutionellen Ableismus sowie die medialen Darstellungen von Krankheit und Be_Hinderung in den Fokus genommen. Mika Murstein versucht, gelebte Erfahrung und Beobachtungen mit Theorien in Beziehung zu setzen, um daraus eine antiableistische Praxis zu entwickeln.

Wir möchten heute besonders auf eine reizarme Umgebung achten – bitte darum zur Lesung kein Parfum tragen.

Veranstaltungsort:

Café im Haus der Demokratie Leipzig, Bernhard-Göring-Straße 152, 04277 Leipzig. Die Räumlichkeiten sind barrierefrei.

Eintritt: 4,- Euro | 2,- Euro ermäßigt

29.10. Anna Göldin. Letzte Hexe …. zum 285. Geburtstag

Dienstag | 19:00 bis 21:00 Uhr

FILM & THEMATISCHE EINFÜHRUNG

Anna Göldin.
Schweiz 1991 | Regie: GERTRUD PINKUS nach dem gleichnamigen Roman von EVELINE HASLER

Thematische Einführung
STEPHAN KLEIN, Arbeitskreis Aufarbeitung Hexenverfolgung Leipzig

ANNA GÖLDIN * 24. Oktober 1734 in Sennwald, heute im Kanton St. Gallen; hingerichtet am 13. Juni 1782 in Glarus.
Der Film, eine der erfolgreichsten Schweizer Kino-Produktionen, basiert auf den wahren Begebenheiten um die letzte Hinrichtung einer Hexe in der Schweiz. Dies rief 1782 europaweit Protest und Empörung hervor und wird heute als Justizmord gewertet. Als verbindendes Element im Film dient die Figur des Landschreibers Kubli. Der Landschreiber ist eine authentische Figur, die durch das Zitieren der Prozessakten das damalige reale Geschehen mit der künstlerischen Freiheit in der filmischen Umsetzung verbindet.

„Die Geschichte der letzten in Europa als Hexe ermordeten Frau als bildstarkes, detailgenaues und ebenso spannendes wie stimmungsvolles Sittengemälde, das – ohne simple Schuldzuweisungen – das gesellschaftliche Umfeld einbezieht, insgesamt aber nicht über den Rahmen traditioneller Historiendarstellung hinausgeht.“ Lexikon des internationalen Films | Hessischer Filmpreis für die Hauptdarstellerin Cornelia Kempers, 1992

Mit freundlicher Unterstützung durch:
Anna-Göldi-Museum Ennenda; Frau Bittner vom Landesmuseum Zürich; Filmarchiv Zürich und die Cinematheque Suisse

Eintritt: frei

November 2019

01.11. Frauenbewegung in der DDR und der Sowjetunion

Freitag | 19:00 bis 21:00 Uhr

PODIUM & GESPRÄCH

Gespräch mit Feminist*innen und Gender-Wissenschaftler*innen aus Russland und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion
Kulturwerkstatt Zhaba | Жаба [женское авторство, быт андерграунд | Weibliches Schreiben und Alltag im Untergrund]

Wir laden ein zu einem Gespräch mit Feminist*innen und Gender-Wissenschaftler*innen aus Russland, der Ukraine und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Es geht um die Geschichte der Frauenbewegung in der Sowjetunion und die Aktualität dieser Geschichte. 1979 publizieren Leningraderinnen die erste dissidentische feministische Zeitschrift in der Sowjetunion. Ihre Kritik an den Lebensumständen von Frauen in der Sowjetunion und am System ist fundamental. Gibt es Parallelen zur Situation der Frauen in der DDR, gab es hier wie dort ähnliche Protestformen? Und welche Rolle spielt diese Geschichte heute für Leipzig, Deutschland, Russland, die Ukraine oder Georgien?

Die Veranstaltung wird organisiert von der Kulturwerkstatt Zhaba zusammen mit dem Leipziger Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und dem Soziokulturellen Zentrum Frauenkultur

Eintritt: frei

04.11. Alltägliches aus 1989

Montag | 18:00 bis 20:00 Uhr

THEMATISCHER INPUT & GESPRÄCH
Innerhalb der gleichnamigen Ausstellung gibt Frau Dr. UTA SCHLEGEL,
Soziologin, Mitarbeiterin am Kinder- und Jugend-Forschungsinstitut Leipzig eine Einführung zur Situation der Lebenszusammenhänge von DDR-Mädchen und Frauen zum Zeitpunkt der Wende. In Anschluss daran können Menschen dazu miteinander ins Gespräch kommen.

Heute mit dabei: MONIKA LAZAR, MdB Bündnis 90 | Die Grünen.
UTA SCHLEGEL u. MONIKA LAZAR sind in der Ausstellung porträtiert.

Ort: Volkshochschule Leipzig, Löhrstr. 3, 04105 Leipzig
Veranstaltung in Kooperation von VHS Leipzig und Soziokulturellem Zentrum Frauenkultur Leipzig | Teilnahme: frei

08.11. Meine algerische Familie.

Freitag | 15:00 bis 17:00 Uhr

TEE & INTERKULTURELLES GESPRÄCH
Zur Geschichte des Feminismus in Algerien

Ein Streifzug durch die Geschichte der algerischen Gesellschaft – mit Blick auf die Entwicklungen der Frauenbewegung von der Kolonialzeit über den Bürgerkrieg bis hin zur aktuellen Situation.
Diese Veranstaltung der Volkshochschule Leipzig im Bereich der Politischen Bildung ist entgeltfrei – und findet statt in Kooperation mit der Frauenkultur. Anmeldung erwünscht.
Eintritt: frei

Ort: FiA | Konradstraße 62, 04315 Leipzig

13.11. Emanzipiert und stark. Frauen in der DDR.

Mittwoch | 11:00 bis 13:00 Uhr

LESUNG & GESPRÄCH

Vorgestellt von der Autorin DAGMAR ENKELMANN
Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Von der Emanzipation zur Selbstbestimmung: Die DDR und ihre Frauen – ein Überblick, facettenreich und anregend. Was ist dran, wenn vom spezifischen Selbstbewusstsein der DDR-Frauen gesprochen wird? Stimmt es überhaupt, dass sich Frauen aus dem Osten anders definierten als ihre westlichen Schwestern? Waren sie emanzipiert(er)? Und wenn ja, was ist dreißig Jahre nach den grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen davon geblieben?

In Text und Bild zeigt das Buch historische und juristische Voraussetzungen, skizziert das Leben, den Alltag, die gesellschaftspolitischen Entwicklungen in vierzig Jahren DDR, blickt auf das Frauenbild in Kunst, Literatur und Film und bezieht die Lebenserfahrungen engagierter Frauen und statistisches Material ein. Mit zahlreichen aufschlussreichen Interviews. Aus der Rückschau lassen sich wichtige Denkanstöße in Bezug auf die Stellung der Frau in der heutigen Zeit gewinnen.
Eintritt: auf Spendenbasis

14.11. Das Recht zu erscheinen.

Donnerstag | 19:00 bis 21:00 Uhr

VORTRAG & DISKUSSION

Judith Butlers Vorschläge einer politischen Theorie der Versammlung

TIMO LUKS, Historiker
Judith Butlers Bücher provozieren. Sie provozieren zum Nachdenken über den Zusammenhang von Politik und Geschlecht, über alltägliche, oft im Verborgenen wirkende Machtverhältnisse. Sie provozieren aber auch wütende Kritik bei jenen, die bereits bei der Nennung des Worts „gender“ allergisch reagieren, ohne auch nur einen flüchtigen Blick in das Werk der US-amerikanischen Theoretikerin zu riskieren.

Der Vortrag stellt Judith Butlers Buch „Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung“ (2016) vor, das entscheidenden Fragen unserer heutigen Demokratie nachgeht: Wer hat eigentlich das Recht, im öffentlichen Raum zu erscheinen, sich auf der Straße zu versammeln, eine Stimme zu erheben, die gehört wird? Wenn wir das „Volk“ sind, wer gehört dann zu diesem ‚Wir‘ – und wer nicht? Warum überhaupt auf die Straße gehen und sich versammeln?

PD Dr. Timo Luks ist Historiker. Tätigkeiten an den Uni‘s Oldenburg, Chemnitz, Gießen, München. Schwerpunkte: u.a. Kapitalismus-, Polizeigeschichte, politische Theorie
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

19.11. Trans. Frau. Sein.

Dienstag | 18:00 bis 20:00 Uhr

VORTRAG & LESUNG
Mit Felicia Ewert

Die Referentin verweist auf die Widersprüchlichkeiten im vermeintlich radikalen Anspruch von transfeindlichen Feminismen, auf biologistische und cis-normative Argumentationen. Zusätzlich stellt die Referentin dar, wie fest Biologismen und normierte Zweigeschlechtlichkeit in Gesellschaft und deshalb auch in Feminismen verwurzelt sind und dass ein Fokus auf offene Transfeindlichkeit zu kurz greift.

So zeigt sie auch, was die vermeintlich respektvolle „Sex / Gender“ Aufteilung von Geschlecht, die in universitären Kontexten gegenwärtig ist, für transgeschlechtliche Menschen bedeutet. Wie tief deutsches Recht in die Leben von trans Personen eingreift, zeigt sie mit einem Überblick über das sogenannte „Transsexuellengesetz“ und widmet sich der Frage, was wir alle tun müssen, um bestehende geschlechtliche Vorstellungen zu realisieren und abzubauen.

FELICIA EWERT, Marburg, studiert Politikwissenschaft im Master, Schwerpunkt Geschlechterforschung. Sie ist eine Frau, transgeschlechtlich, lesbisch, hält Vorträge zu Cis-Sexismus, Transfeindlichkeit und Transmisogynie.
Eintritt: 4,- Euro | 2,- Euro ermäßigt

28.11. Berufsbildung für Frauen:

Donnerstag | 19:00 bis 21:00 Uhr

VORTRAG & DISKUSSION

Von der Selbsthilfe zur Arbeitsmarktpolitik. Frauenbildung und Feminismus

Referent*in:
JULIANE JACOBI

1860 erschien als eine der ersten Programmschriften des deutschsprachigen Feminismus „Das Recht der Frauen auf Erwerb“. Die Autorin, es handelt sich um die Leipziger Demokratin Louise Otto-Peters, forderte eine Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen und junge Frauen als Vorbereitung für eine Erwerbstätigkeit. Denn nur dann bestünde für Frauen die Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens. Dieses Programm wurde von vielen engagierten Frauen nicht nur in Leipzig ins Praktische gewendet und neben dem Einsatz für eine bessere Allgemeinbildung von Frauen und Mädchen aller sozialer Schichten vor allem auch in berufsbildenden Initiativen verwirklicht. Diese Wurzeln des Feminismus in der Frauenbildungsgeschichte sollen in meinem Vortrag gewürdigt und in ihrer Bedeutung bis in die jüngste Gegenwart verfolgt werden.

Juliane Jacobi war bis 2010 Professorin für Historische Pädagogik und Historische Sozialforschung. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte u.a. Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung und Feministische Theorie und Pädagogik.
Eintritt: 4,- Euro | 2,- Euro ermäßigt