Frauen 1989 und Künstlerinnen* 2019

Wenn in der Geschichte „Farben fehlen“, braucht es in der Gegenwart einen Gegenentwurf mit allen Farben.

Originale Text-Zitate von Frauen 1989 – „verwoben in Kunst“ von Künstlerinnen 2019.

„… Ich lese Texte einer Frau… welche von mehreren Frauen diskutiert, erweitert, fortgeführt wurden … mit Hand aufgeschrieben… als Protokoll, als Arbeitspapier, als Forderungs- und Positionspapier… öffentlich gemacht und weitergegeben. Das… was da geschrieben steht, geht alle an. Denn es geht um Menschen, um ihr Leben… das offener, freier und gerechter werden soll. Ein freies und gerechtes Leben, ohne Angst und Hass, ohne Kriege… und mit sauberen Flüssen… Diese Texte, Kopien… sorgfältig abgeheftet – vor 30 Jahren im Jahr 1989. Die Aktualität dieser Worte nimmt der Zeit ihre Dimension und spiegelt mir die Bedeutung im Heute wider: …zu diskutieren, Begonnenes weiterzuführen… und zu handeln… für ein freies und gerechtes Leben, ohne Angst und Hass, ohne Kriege… und mit sauberen Flüssen…“ (h.c. 2019)

Das Soziokulturelle Zentrum Frauenkultur Leipzig führt anlässlich des 30. Jahrestages des 9. Oktobers 1989 einen Kunstwettbewerb zu „Frauen 1989 und Künstlerinnen* 2019“ in Leipzig durch.

Die Ereignisse des Jahres 1989 sind tief in dem Bewusstsein der Menschen besonders in den östlichen Bundesländern verankert. Der Grund dafür ist einfach: Es ist vordergründig ihre Geschichte. Es sind ihre persönlichen Geschichten, die entscheidend durch den weiteren Verlauf dieser Ereignisse beeinflusst wurden. Der friedliche Gesellschaftsumbruch von 1989, eine gesellschaftliche Wende… die für alle Menschen in der ehemaligen DDR auch eine Wende der eigenen Biografie bedeutete.

Dass dieser gesellschaftliche Umbruch sich so ereignen konnte, war eine in Dimension und weltweiter Bedeutung nicht voraussehbare Folge u.a. des politisch aktiven Tuns eines (kleinen) Teils der DDR-Bevölkerung – von Frauen und Männern, die sich couragiert für mehr Demokratie, Mitbestimmung und Verwirklichung der Menschenrechte weit vor dem Oktober 1989 einsetzten. Dass die Friedliche Revolution vor 30 Jahren heute besonders mit Gesichtern verbunden wird, die überwiegend männlich sind – ist letztendlich eine Fehl-Darstellung – die der Geschichte von damals insgesamt wie auch der Geschichte von politisch aktiven Frauen nicht gerecht wird.

Anlässlich 30 Jahre Friedlicher Revolution, die ihren Ausgangspunkt u.a. in Leipzig hatte, wollen wir „authentische Momente von Frauen 1989 zeichnen“: Original-Archiv-Texte von 1989/1990 werden von Künstlerinnen* 2019 mit bildnerischen Mitteln in einen aktuellen Bezug transformiert. So werden gleichzeitig die historische Dimension der Aktivitäten von Frauen 1989 künstlerisch in den Mittelpunkt gestellt.

Erste Auswahl von Meinungen und Positionen von gesellschaftspolitisch aktiven Frauen – in Zitaten aus Original-Texten und Protokollen aus 1989 und 1990. (Weitere folgen online…)

Zitate aus Programmentwurf der Fraueninitiative Leipzig im neuen Forum von 18.10.1989

„Frauenfragen, wozu, es gibt Wichtigeres“ und „was, du bist eine Emanze, gegen die Männer und so?“ und „sieh doch endlich ein, es ist biologisch begründet“. … Die Palette der Vorwürfe bietet keine Farben, dass frau sich wirklich malen könnte. Deshalb sollte frau sie einfach überhören.“

„Pfeil und Bogen bleiben den Amazonen überlassen, dem Mythos der Männer, wir nutzen andere, zeitgemäße Mittel: das Wort und die Tat. Unser Wort soll strittig sein. Doch keinen Streit um die Macht wünschen wir.“

„Unsere Tat soll versiegelte Türen öffnen, Inseln betreten und im Zeitennebel Versunkenes ergründen. Doch wir wollen einladend die Hände heben, Brücken bauen, Lichter setzen.“

„Wir Frauen schauen auf ein Hier und Heute, das gewachsen ist aus einem Gestern, in dem uns Frauen oft genug das öffentliche Wort verboten wurde.“

„Wir wollen lernen, zu diesem Wort für uns und für andere zu finden. Deshalb müssen wir unser Geworden-Sein, unser So-Sein ergründen und uns untereinander verständigen.“

„Also geht es uns zunächst um dieses gemeinsame Suchen, Reden, Helfen und die kleinen Schritte der Wandlung.“

Zitate: Unabhängiger Frauenverband, „Ohne Frauen ist kein Staat zu machen“ | Einige Frauen-Fragen an ein alternatives Gesellschaftskonzept oder: Manifest für eine autonome Frauenbewegung | Dezember 1989

„Die Völker der Erde stehen heute vor existenziellen globalen Problemen. Umweltzerstörung, Kriegsgefahr und lebensbedrohliche Lage in der Dritten Welt sind die Folgen der hemmungslos expandierenden männlich dominierten Industriegesellschaften.“

„Die folgenreiche Logik einer auf der Beherrschung der Natur und der Unterdrückung großer Bevölkerungsgruppen (darunter besonders der Frauen) beruhenden Entwicklung muss durchbrochen werden, wenn die Menschheit sich nicht am Ende selbst vernichten soll.“

„Wie soll das aber zusammengehen – eine ökologisch vernünftige Produktion und Entwicklung der Bedürfnisvielfalt? Das kann nur gut gehen, wenn es uns gelingt, überzeugende kulturelle Alternativen zu bisherigen Formen der Konsumtion, Ernährung und Bedürfnisbefriedigung zu entwickeln.“

„Das könnte bedeuten, sich für eine vernünftige Ernährungsweise einzusetzen – mit weniger Fleisch und mehr Obst und Gemüse.“

„Umgestaltung der Lebensweise bedeutet auch mehr frei verfügbare Zeit für jeden und Schaffung sinnvoller gesellschaftlicher Alternativen zur privateigentümlichen Anhäufung von Reichtümern.“

Daten und Bedingungen zum Kunstwettbewerb „Frauen 1989 – Künstlerinnen* 2019”:

Alle Arbeiten beziehen sich auf einen selbst gewählten Original-Text (Sätze, Satz, Worte) aus 1989, welcher von aktiven Frauen damals formuliert wurde. Der gewählte Text, der gewählte Satz, gewählte Worte müssen im künstlerischen Werk in freier Interpretation erkennbar verarbeitet werden. Das bildnerische Kunstmittel ist frei wählbar. Bedingt durch die geplanten Ausstellungsräume sind die Ausmaße beschränkt auf: bei Rahmennutzung: 100 × 70 cm | bei Leinwand- oder anderen Ausstellungsgründen: 150 × 100 cm

Die Original-Texte | Zitate: Siehe bitte unten als PDF-Download.

Teilnahme:

Teilnehmen können künstlerisch tätige Mädchen und Frauen*, die mindestens 16 Jahre alt sind.
Ausgeschlossen sind alle Arbeiten mit verfassungs- bzw. menschenrechtsverletzenden Inhalten.

Bewerbung:

Folgende Bewerbungsunterlagen sollen auf digitalem Weg eingereicht werden.
• Kurze biografische Daten
• Jede Teilnehmerin* kann sich mit bis zu zwei Arbeiten bewerben: mit Name, Titel, Technik und den Maßen der Arbeiten
• Von jeder Arbeit sollen drei Fotos (mind. 600 dpi) eingereicht werden. Bitte nutzen Sie hierfür gängige Bild-Formate (z.B. pdf, jpg, tiff):
• ausgefülltes Anmeldeformular bitte spätestens zum 23.07.2019 einreichen
• Arbeiten bitte spätestens zum 15.09.2019 in der Frauenkultur Leipzig im Original abgeben.

Alle Arbeiten sind bis zu einer vereinbarten Höhe versichert.

Auswahl | Jury:

Die fachkundige Jury bildet sich aus allen Teilnehmerinnen dieses Wettbewerbes.*

Jede Teilnehmerin* kann 10 Punkte vergeben. Die künstlerischen Bewertungskriterien legt jede Teilnehmerin* selbst fest. Die zehn Punkte können aufgeteilt auf mehrere Arbeiten vergeben werden, ebenso natürlich auch einer einzigen Arbeit. Die eigene Arbeit darf nicht selbst bewertet werden.*

Alle Arbeiten werden auf der Webseite der Frauenkultur Leipzig präsentiert – bis zur Entscheidungsfindung ohne Namen der Künstlerin*, nur mit Titel und Technik. Allen Teilnehmerinnen* wird die Möglichkeit gegeben, vor der Ausstellungseröffnung die originalen Arbeiten zu sehen – falls sie ihre Punkte nicht allein an Hand der fotografischen Kopie vergeben wollen.

Da es nicht darum geht, welche der Künstlerinnen* die meisten Klicks aus dem eigenen Netzwerk mobilisieren kann, haben wir bewusst auf ein Publikumsvoting verzichtet.

Zur Ausstellungseröffnung am 08.10.2019 werden die Preisträgerinnen* öffentlich gemacht.

Preisgelder | Förderpreise:

• Es werden drei Preise vergeben: In Höhe von 1× 1.000,- Euro und 2× 500,- Euro

Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Vernissage am 08.10.2019.

Ausstellungsdauer:

Die Werke der Künstlerinnen* werden vom 08.10. bis 27.11.2019 im Soziokulturellen Zentrum Frauenkultur Leipzig, in der feministischen Bibliothek MONAliesA und möglicherweise weiteren Orten ausgestellt werden.



Downloads:

Hintergründe des Wettbewerbes | erste Zitate

Download des Bewerbungsformulars (als ausfülbbare PDF-Dateien)

Anmeldeformular zum Kunstwettbewerb

Formular zu der/den eingereichten Arbeit/en

Teilnahme-Bedingungen des Kunstwettbewerbes

(ist auch als analoges Formular in Papier in der Frauenkultur erhältlich…)



Original-Texte aus 1989 | 1990 zum Download

Hinweis:
Teilnehmer*innen der stattgefundenen Text-Werkstätten empfehlen die gelbmarkierten Textstellen „als geeignete Ausgangszitate“ für die Künstlerinnen* des Kunstwettbewerbes.

Natürlich kann jede andere Textstelle ebenfalls genommen werden.

01-1990 Gegen Rechts

10.8.1990 Presseerklärung des Runden Tisches

11.12.89 UVF Reparationsforderungen der Frauen

Brief an Biedenkopf_Protest Gleichstellungsbeauftragte

Diskussion zum Programmentwurf der FIL

Frauen für den Frieden Leipzig

Frauenblätter Nr.2 und 3

Frauenforscherinnen 1989

Gedanken zur Wahlbeteiligung-Frauenblätter 3_ 31.01.1990

Offener Brief an die Frauen in der DDR

Programmentwurf der Fraueninitiative im neuen Forum

UFV Dokumente

Zaunreiterin_aus Nr.1



Gefördert durch

Das Projekt “Frauen 1989 und Künstlerinnen* 2019” wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes – innerhalb des Förderprogramms „Revolution und Demokratie“