(Auch) Straßennamen bilden Gesellschaft ab

Übergabe der 85 Vorschläge für Frauen*-Straßennamen

Am 08.03.2022 zum Weltfrauen*Tag | Internationalen Frauen*Tag wurden 85 Vorschläge für Frauen*-Straßennamen an Vertreter*innen der Stadt Leipzig übergeben. Danke an alle, die gekommen waren. Ein erster Schritt ist getan… weitere müssen folgen.

Für eine Stadt Leipzig, die den Anspruch hat und diesen auch verwirklichen will – entsprechend der existierenden Realitäten Gesellschaft in allen Lebensbereichen fair abzubilden.


Alle 85 Vorschläge hier als Download

Wir möchten uns bei allen bedanken, die mitgemacht haben … bei denen, die vorgeschlagen und eingereicht haben … und natürlich auch bei allen, die bei der Umsetzung mitgetan haben!!!

Gender Map Leipzig

Perspektiven, Fakten und Hinweise zum Thema “Straßennamen als Teil des kollektiven Gedächtnisses einer Stadt”
zu finden auf der Webseite von Stadt.Raum.Gestalten e.V.*| Projekt *Gender Map Leipzig

Zu den Projektinhalten Gender Map Leipzig
Zur grafischen Projekt-Karte

Update 28.02.2022

Bis zum 07.03.2022 können interessierte Menschen ihr Vorschläge an das Leipziger Amt für Statistik und Wahlen | AG Straßennamen senden und parallel an die Frauenkultur Leipzig (als Koordinatorin der Aktion). Und am 08. März 2022 um 14 Uhr wird das dann entstandene “Bündel” an Vorschlägen öffentlich überreicht – auf der Treppe vor dem Neuen Rathaus an

  • Herrn Hörning, Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung
  • Frau Laura Herzig, amtierende Sachgebietsleiterin im Amt für Statistik und Wahlen (in Vertretung von Dr. Christian Schmitt, Vorsitzender der AG Straßennamen).

Zudem werden anwesend sein Genka Lapön, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leipzig, Beate Ehms, Vorsitzende des Beirats für Gleichstellung der Stadt Leipzig und Vertreterinnen der AG Frauenprojekte.

Zahl der eingegangenen Vorschläge (Stand 28.02.2022): 50

Eingeladen zur öffentlichen Übergabe sind alle interessierten Menschen!


(Auch) Straßennamen bilden Gesellschaft ab

Eine unterstützende Aktion der AG Frauenprojekte Leipzig zum 8. März 2022

Leipzig ist eine Stadt, in der seit Anbeginn Frauen* aktiv tätig waren und immer noch sind; in der Frauen* gesellschaftlich vieles (mit) angeschoben haben und „am Laufen halten“ – u.a. nahm 1865 die deutsche Frauenbewegung in Leipzig ihren Anfang; es gab und gibt großartige Künstlerinnen*, Forscherinnen*, Sportlerinnen*, Politikerinnen* und viele andere mehr, die Leipzig präg(t)en… und viel zu wenige von ihnen werden öffentlich gewürdigt… zum Beispiel durch einen Straßennamen.

Immer wieder werden Namen gesucht für Um-, Neu oder Teil-Benennungen von Straßen – und jede*r Bürger*in, Initiative oder Verein kann dafür Vorschläge unterbreiten. Verschiedene Stadträt*innen, Einzelpersonen und Initiativen setzen sich seit längerem bereits dafür ein.

Dieses Anliegen unterstützend plant die AG Frauenprojekte, am 8. März 2022 ein Bündel von Vorschlägen an Vertreter*innen der AG Straßennamen zu übergeben – verbunden mit der klaren Bitte, bei den nächsten Benennungen explizit Frauen*Namen zu vergeben… z.B. bei neuentstehenden Wohngebieten um den Eutritzscher Freiladebahnhof oder am Bayrischen Bahnhof. Da es in Leipzig weit mehr Männer*-Straßennamen gibt, wäre das ein Zeichen dafür, dass Leipziger Straßennamen so Gesellschaft wahrhaftiger abbilden.

Wie kann ich mitmachen? Was muss ich tun?

Stelle einen Antrag auf einen Frauen*-Straßennamen!

Hier folgt eine Anleitung in einzelnen Schritten

  • Entscheide Dich für eine Frau, die Du vorschlagen möchtest. Zum Beispiel aus dem Portal https://www.leipzig.de/jugend-familie-und-soziales/frauen/leipziger-frauenportraets. Hier sind bereits sehr gut recherchierte Porträts von ca. 200 Frauen mit Leipzig-Bezug zu finden.
  • Formuliere formlos eine E-Mail mit Deinem Vorschlag und einer kurzen Begründung. (Vorschlag siehe bitte unten in dieser Mail)
  • Sende die E-Mail an die AG Straßennamen bzw. ihren Vorsitzenden Dr. Christian Schmitt: statistik-wahlen@leipzig.de
  • Wenn Du möchtest, dass Dein Vorschlag in der Aktion der AG Frauenprojekte zum 8. März mit genannt wird, sende die Mail parallel an hallo@frauenkultur-leipzig.de

Der Namensvorschlag wird dann geprüft und kommt in den großen Namenspool der Leipziger Stadtverwaltung. Es ist leider nicht bestimmbar, an welchem Ort/Stadtteil sich dann die Straße befindet und es ist auch nicht sicher, ob der Name überhaupt Verwendung findet. Der Namenspool besteht schon längere Zeit… und aus vermutlich mehreren 1000 Namen.

Über die Benennung entscheidet dann die AG Straßennamen, eine Gruppe aus Mitgliedern der Stadtverwaltung und Stadträt*innen jeder Partei. Sie diskutieren über neue Vorschläge und Entwicklungen; auch darüber, wo Wohngebiete mit neuen Straßen entstehen und wonach Namen vergeben werden sollten.
Mehr dazu unter: https://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/aemter-und-behoerdengaenge/behoerden-und-dienstleistungen/dienststelle/statistik-und-wahlen-amt-fuer-12/
Zum Schluss muss der Stadtrat in Mehrheit darüber positiv abstimmen und dann ist die Benennung offiziell.

Hier die Kriterien für einen Straßennamen, die berücksichtigt werden müssen:

  • die Person nach der die Straße benannt werden soll, muss bereits verstorben sein
  • die Person darf kein Kind sein (Ausnahme waren Opfer der Kindereuthanasie der ehemaligen der Heil- und Pflegeanstalt Dösen, eventuell auch Opfer der Leipziger Meuten)
  • die Persondarf keinen Täter*innen-Hintergrund haben, keinen Kolonialisierungshintergrund, keinen diskriminierenden und sexistischen Hintergrund
  • der Namen sollte im Netz zu finden sein mit Text zum Einschätzen für die Verwaltung -> Link mit in deine Begründung setzen
  • der Name sollte relativ gut aussprechbar sein
  • und nicht schon im Straßennamenverzeichnis existieren
  • der Name darf nicht zu Verwechslungen einladen
  • die Person nach der benannt wird, sollte unbedingt einen Leipzig-Bezug haben

All diese Informationen wurden uns freundlich zusammengestellt durch die Stadtbezirksbeirätin Sabrina Füldner. Sie sagt:

Als großes Ziel wäre es schön und wichtig, wenn die Straßennamen eine möglichst vielfältige und diverse Stadtgesellschaft repräsentieren könnten. …

Und das finden wir auch… und freuen uns daher über jeden Vorschlag, der eingereicht wird!

Mit schönen Grüßen,
das Team der AG Frauenprojekte
Kontakt: hallo@frauenkultur-leipzig.de, 0341 – 2130030

Zum *) Für uns steht „das Sternchen bei Frauen, Künstlerinnen, Sportlerinnen …“ für die breite Vielfalt an Personen, die sich selbst als Frauen lesen bzw. die als Frauen gelesen werden oder sich nicht im binären Geschlechterkonstrukt verorten. Das Sternchen ist auch Symbol für: Frauen sind divers, sind nicht nur weiße Cis-Frauen; sie haben verschiedene Geschlechtsidentitäten, leben diverse sexuelle Beziehungen – und das Sternchen symbolisiert die Aufhebung der nicht wirklichkeitsabbildenden binären Geschlechterperspektive. -> Das gilt natürlich auch für Männer*.

Hier ein Beispiel: Vorschlag der Frauenkultur Leipzig
(als Brief oder als Mail möglich)

An
AG Straßennamen
z.Hd. Dr. Christian Schmitt
statistik-wahlen@leipzig.de

Einreichung eines Namensvorschlages für einen Leipzig Straßennamen

Hiermit schlagen wir für die Benennung einer Straße/eines Platzes in Leipzig folgende Persönlichkeit vor: Frau Sofie Schneider, Leipziger Malerin jüdischer Herkunft

  • 1891 geboren am 7. August in Sidra (im heutigen Polen)
  • 1898 Umzug mit ihrer Familie nach Leipzig
  • 1909 – 1923 studierte Sofie mit Unterbrechungen an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig (heute HGB) und an der Bezalel Akademie für Kunst und Design/ Jerusalem
  • 1933 mit Beginn des Nationalsozialismus war auch Sophie Schneider aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von Arbeitsverbot und Diskriminierung betroffen.
  • 1939 im April musste sie ihren letzter selbstgewählter Wohnsitz Eisenbahnstraße 37 aufgeben und in eines der „Judenhäuser“ ziehen. Ihre Bemühungen zu emigrieren, waren erfolglos.
  • 1942 am 19. Januar wurde sie in Leipzig inhaftiert und in das Ghetto nach Riga/Lettland deportiert. Danach gilt sie als verschollen.

Siehe auch: https://www.verzweigungen.com/sofie-schneider/

Begründung
Sofie Schneider steht für viele Menschen unterschiedlicher Religion und Herkunft, die ganz selbstverständlich in dieser Stadt lebten, ihre Ausbildung hier absolvierten, hier arbeiteten… Menschen, denen im Nationalsozialismus unendliches Unrech geschah, die verfolgt und ermordet wurden… und heute fast vergessen sind. An Sofie Schneider erinnerte bis 2013 nur eine dreizeilige Notiz in dem Buch „Menschen ohne Grabstein“ von Ellen Bertram, Hrsg. Ephraim Carlebach Stiftung, Passage-Verlag Leipzig.

Nach unseren sehr intensiven Recherchen über das Leben von Sofie Schneider waren diese 2013 trotzdem noch sehr lückenhaft… bis uns 2020 eine Mail aus Südafrika erreichte. Eine Urgroßnichte von Sofie Schneiders schrieb uns, um sich für die Verlegung des Stolpersteins für ihrer Ur-Urgroßtante zu bedanken. Damit erst erreichte uns eine berührende und verzweigte Familiengeschichte, die weit über Leipzig hinausreicht nach Norwegen, Argentinien, Israel, Kanada oder auch nach Chemnitz; die erzählt von einer Familie mit neun Schwestern und einem Bruder; einer Mutter, die auf dem Leipziger Jüdischen Friedhof beerdigt ist, einem Vater, der nach Norwegen auswandern konnte…. Von Bildern und Kunstwerken Sofie Schneiders, die in alle Welt verstreut wurden… und von denen die meisten wahrscheinlich verloren sind.

Leben wieder sichtbar zu machen, dass der nationalsozialistische Terror ausgelöscht hat… dafür stehen Sofie Schneider und ihre Familie.

Über eine Bestätigung des Eingangs unseres Vorschlages würden wir uns sehr freuen!

Mit freundlichen Grüssen,
Frauenkultur e.V. Leipzig *)

*) Name und Adresse der einreichenden Person / des einreichenden Vereins