Gleichstellung ist „keine Gefälligkeit“, sondern ein Menschenrecht.

Zu Zusammenhängen der gesellschaftlichen Notwendigkeit von Gleichstellung und Chancengleichheit aller Menschen – im Kontext der positiven Weiterentwicklung unseres demokratisch solidarischen Gemeinwesens

Die gegenwärtige SARS-COV2-Pandemie hat u.a. eine historisch und sozial-gesellschaftlich begründete Problem-Konstellation sehr deutlich gemacht: Die nicht vorhandene Gleichstellung von Menschen. Dass Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sozialen bzw. kulturellen Herkunft benachteiligt werden – ist ein bekannter Sachverhalt. Neu ist dessen Dimension gegenwärtiger öffentlicher Alltagswahrnehmung.

In vielen, auch jüngeren Familien wurden Unterschiede in der familiären Care-Arbeit eindeutig sichtbar: Sie im Homeoffice, er im Homeoffice. Doch Homeschooling, gute Laune halten, substanzielle Unterhaltung, Gesund-heitsvorsorge, Putz-, Koch- und alle anderen Dienstleistungen wurden/werden in der Regel von Frauen getragen.

Vergleichbare Bildungsteilhabe digitaler Schul- und Lern-Räume konnten von einem Teil der Schüler*innen nicht wahrgenommen werden, weil ihre Familien nicht über die notwendigen materiellen Voraussetzungen wie Com-puter, Drucker, WLAN verfügen. Wobei Mädchen einer weltweiten Studie der Kinderrechtsorganisation Save the Children zufolge stärker von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind als Jungen. Mädchen müssen sich in dieser Zeit stärker im Haushalt engagieren als Jungen. Kinder aus ärmeren Familien sind stärker betroffen als solche aus wohlhabenderen Familien. In den meisten Staaten weltweit waren die Schulen etliche Wochen lang geschlossen, der Unterricht fand, wenn überhaupt, online statt. Jedes fünfte befragte Mädchen gab an, dass sie in dieser Zeit nicht lernen konnte; bei den Jungen war es nur jeder Zehnte. Dies sind geschlechtsspezifische Un-rechtssituationen, die qualitativ auch auf unser demokratisches Rechtsgefüge zutreffen.

Bestimmte Argumente sind Menschen, die die „Gleichstellung aller Menschen“ als eine der wichtigsten Gesell-schaftsaufgaben begreifen, um die grundlegendsten weltweiten Probleme lösen zu können, sehr vertraut: „Gibt es heute nicht Wichtigeres als Gleichstellungsfragen?“ wird immer wieder kritisiert. Gleichstellungspolitische Prozesse sind aber immer auch Indikatoren des Entwicklungsstandes des freiheitlich-demokratischen Gemeinwesens. Der pandemische Ausnahmezustand 2020 wie auch die öffentlich politischen Positionierungen von Frauen weltweit haben u.a. deutlich gezeigt: Die gesellschaftliche Antwort auf „den Anspruch auf Gleichstellung“ ist keine willkürliche oder zufällige Gefälligkeit (… wenn es heute passt, dann ja… und morgen, dann nein …), sondern ein grundlegendes Recht eines jeden Menschen (losgelöst von Geschlecht, Herkunft bzw. Religion…).
Gleichstellung ist ein Menschenrecht, welches in Deutschland rechtlich fest in unserem Grundgesetz verankert ist. Gleichstellung ist letztendlich: Eine Zukunftsnotwendigkeit!

Anliegen des Projektes

Anliegen des Projektes ist es, „das Miteinander-Reden und gemeinsame Nachdenken“ über die weitreichenden Folgen bzw. Wirkungen von (Nicht-)Gleichstellung für alle Lebensbereiche öffentlich zu führen – im Kontext von geschlechtsspezifischer Nachstellung in konkreten Gesellschaftssituationen, von gesellschaftlichen bzw. persona-lisierten Handlungsnotwendigkeiten und -Verantwortlichkeiten wie auch in Bezügen von individueller Selbst-bestimmung und Dekonstruktion geschlechtsspezifischer Rollen-Stereotype.

„Gleichstellung ist keine Gefälligkeit, sondern ein Menschenrecht.“ – eine einfach formulierte Richtigkeit, für deren gesellschaftliche Wirklichkeit aber noch sehr viel zu tun ist. Die immer wieder neu zu stellende Frage ist auch im Jahr 2021: Was braucht es? Was müssen wir tun, um die existierende Nachstellung von Menschen nur aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit aufzulösen?

Gesetzesformulierungen wie „Ein Nein ist ein Nein!“ sind unerlässlich, ebenso aktive gleichstellungspolitische Strukturen auf kommunalen bzw. Landesebenen. Im Kontext der Verwirklichung des Artikels 3 unseres Grund-gesetzes braucht es letztendlich umfassende Mehrheiten, die die Gleichstellung aller Geschlechter für sich selbst, für ihre Familien bzw. Freund*innen (all-)täglich leben wollen. Diese Mehrheiten sind aufgeklärt und wissen ein Stück um die Entstehung von stereotypen Zuschreibungen; diese Mehrheiten möchten, dass ihre Kinder jederzeit sagen können: „Ich bin gern ich!“. Und diese Mehrheiten brauchen weitzufassende unterschiedlichste Erkenntnis-Momente und eindrückliche Alltagserfahrungen der Wichtigkeit von Geschlechtergerechtigkeit für das eigene selbstbestimmte Leben.

In diesem inhaltlichen Kontext steht das Anliegen des Projektes „Gleichstellung ist keine Gefälligkeit, sondern ein Menschenrecht.“ – welches über unterschiedliche Formate gleichstellungspolitischen Erfahrungen, Wissensver-mittlung wie auch (Selbst-)Erkenntnissen einen öffentlich Raum gibt – u.a. durch öffentliche Aktionen, Workshops, und interaktive Vorträge & Diskussionen


Auf diesem Wege ein besonderer Dank an den Freistaat Sachsen.
Die Umsetzung des Gleichstellungsprojektes “Gleichstellung ist „keine Gefälligkeit“, sondern ein Menschenrecht.” –
welches sich an alle Menschen (unabhängig vom Geschlecht) richtet – wurde durch
den Freistaat Sachsen | das Sächsische Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung | die Gleichstellungsbeauftragte der Landesdirektion Sachsen unterstützt und gefördert. Die Durchführung dieses Projektes wäre ohne diese Unterstützung nicht möglich.