Das beste Fundament für gesellschaftliche Weiterentwicklung ist Gleichstellung.

Zu Zusammenhängen der gesellschaftlichen Notwendigkeit von Gleichstellung und Chancengleichheit aller Menschen – im Kontext der positiven Weiterentwicklung unseres demokratisch solidarischen Gemeinwesens

Gleichstellungsprozesse sind nie zu lösen von der Geschichte von Frauen*, von den Frauenbewegungen vergangener Jahrhunderte wie auch nicht von den aktuellen feministischen Bewegungen weltweit. Das Wissen der gesellschaftlichen Bedeutung von Gleichstellung für unser demokratisch-rechtsstaatliches Gemeinwesen existiert gegenwärtig auf vielen Gesellschaftsebenen nur partiell.

Als im Jahr 2019 z.B. im Leipziger Stadtrat ein Antrag des Gleichstellungsbeirates über eine Gedenktafel für die Opfer der Hexenverfolgung in Leipzig | Sachsen diskutiert wurde – argumentierte eine Stadträtin: „… gibt es jetzt nicht wichtigere Dinge zu verhandeln?“. In einer gesellschaftlich-politisch fokussierten Perspektive auf aktuelle Ereignisse ist das (oft) nicht falsch. Jeder gesellschaftlichen Aktualität (wie z.B. aktuelle Unwetterkatastrophen, Pandemien, Terror) soll/muss eine politische Handlungspriorität zugeordnet werden. Das ist richtig. Aber damit verbunden ist die logische Folge: Gleichstellungsfragen wären dann in diesem Fokus immer nachzustellen. „Gibt es nicht Wichtigeres als Gleichstellung?“ – ist aber tatsächlich eine Frage, die im Kontext der Wichtigkeit von Gleichstellung für eine gerechte(re) Gesellschaftsentwicklung noch nie eine Berechtigung hatte.

Mit diesem Argument „Es-gibt-Wichtigeres“ ist verbunden, dass breitaufgestellte thematische Diskurse zur Wichtigkeit und dem Sinn von Gleichstellung auf unterschiedlichsten Ebenen be- oder verhindert werden (können). Aber wenn es um gesellschaftliches Unrecht geht – und geschlechtsbezogene Nachstellung ist ein solches Unrecht – braucht es vielfaltige (Wissens-)Freiräume und thematische Angebote, die auch Erkenntnisse befördern. Und besonders positive Gesellschaftsentwicklungen brauchen immer auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte, um die Gegenwart begreifen zu können. Es gibt also noch (sehr) viel zu tun.

Dass es nach wie vor geschlechtsspezifische Lohnunterschiede für eine vergleichbare Arbeit im Jahr 2021 gibt – ist leider noch eine gesellschaftliche Realität. Der Frauen*-Anteil in Führungspositionen liegt bei etwa 30% und in dem seit 2017 agierenden Bundestag sind nur 30,9% der Volksvertreter*innen Frauen* (In der Wahlperiode 2013 – 2017 waren es noch 36,3%). Dem gegenüber stehen die (binären) Bevölkerungszahlen von 50,7% Frauen* und 49,3% Männer*. Und dass Sprache immer auch Gesellschaft spiegelt – ist ein häufig unterschätzter Sachverhalt. Trotz über Jahrzehnte geführter unzähliger Diskussionen ist Sprache im 21. Jahrhundert immer noch männlich domi-niert: Frauen* werden durch Sprache immer noch untergeordnet. Die Norm in der Sprache ist das Maskulinum.

Gleichstellungspolitische IST-Stände sind immer auch Indikatoren des Entwicklungsstandes unseres freiheitlich-demokratischen Gemeinwesens. Und je mehr Menschen wissen, dass Gleichstellung ein Gewinn für das persönliche Alltagsleben aller ist und dass Gleichstellung auf allen Ebenen unsere Zukunft (mit-)sichert – desto besser sind die Ausgangsbedingungen für eine gerechte(re) gesellschaftliche Weiterentwicklung.

Anliegen des Projektes

Es braucht unterschiedlichste Angebots- und Aktionsformate, um differenzierte Perspektiven auf die Unabdingbar-keit von Gleichstellung aller Menschen zu setzen, damit sich in der Mehrheitsbevölkerung eine selbstverständliche Zustimmung zu diesem Sachverhalt entwickeln kann. Wichtige Räume sind dabei immer, wenn Menschen verschiedener Generationen und Geschlechtsidentitäten miteinander ins Gespräch kommen, (neues) Wissen teilen und unterschiedliche Aspekte der Chancen von Gleichstellung aller Menschen offen diskutieren.

Ziel dieser Aktivitäten: Immer mehr Menschen haben sich mit der Unerlässlichkeit und Wichtigkeit von Gleichstellung auseinandergesetzt – mit der Option des Begreifens und mit Entwicklung eines persönlichen gleichstellungskonformen Selbstverständnisses. In diesem Zusammenhang steht das Gesamtanliegen des Projektes „Das beste Fundament für gesellschaftliche Weiterentwicklung ist Gleichstellung.“ …welches über unterschiedliche Formate gleichstellungspolitischen Erfahrungen im Gestern wie im Heute einen öffentlich Raum gibt – Wissensvermittlung wie auch (Selbst-) Erkenntnissen finden statt u.a. durch Frauen*-Online-Aktionen, eine neue Webseite, Stadtrundgänge, Vorträge, Diskussionen, Werkstätten und einen Fachtag


Auf diesem Wege ein besonderer Dank an den Freistaat Sachsen.
Die Umsetzung des Gleichstellungsprojektes “Das beste Fundament für gesellschaftliche Weiterentwicklung ist Gleichstellung.” – welches sich an alle Menschen (unabhängig vom Geschlecht) richtet – wurde durch den Freistaat Sachsen | das Sächsische Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung | die Gleichstellungsbeauftragte der Landesdirektion Sachsen unterstützt und gefördert. Die Durchführung dieses Projektes wäre ohne diese Unterstützung nicht möglich.