Lesungen / Vorträge
Vorträge, Lesungen und Bildungsveranstaltungen

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge aus weiblicher Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstlerinnen oder Frauen, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autorinnen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referentinnen, Künstlerinnen und den BesucherInnen.
Do., 06. 10. 16
19:00 Uhr
Namibia - Land der Kontraste
MULTIMEDIALER VORTRAG
Erfahrungen und Bilder einer beeindruckenden Reise.
Referentin: DENISE SCHNEIDER, Leipzig

Namibia - Ein Reisebericht mit Fotos und Erzählungen vieler Erlebnisse während einer Individualreise durch ein sehr weitläufiges, karges - aber keineswegs tristes Land.
Auf keinen Fall fehlen darf die Namib-Wüste mit den orange-rot schimmernden Dünen und den malerischen, ausgetrockneten Flussbetten. Im Kontrast dazu steht die raue Küste mit gestrandeten Schiffen und einer riesigen Robbenkolonie. Ebenso werden Eindrücke von den bis zu 5000 Jahre alten Felsmalereien und atemberaubende Bilder von Savannen und den afrika-typischen Tafelbergen gezeigt sowie Einblicke in den Alltag eines traditionellen Dorfes.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Fr., 07. 10. 16
19:00 Uhr
Der weiße Fleck.
Über das Eigene und das Fremde
Musik, Tanz, Schauspiel, poetische Objekte, Fotografie, Film
Gemeinschafts-Projekt der AG Soziokultur und des Gewandhausorchesters Leipzig
Ort: Mendelssohn-Saal | Gewandhaus

Die Suiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach gelten einerseits als Meilenstein der deutschen Musikgeschichte, andererseits als Weltmusik. Jetzt werden sie live gespielt von Nicolas Defranoux, Cellist des Gewandhausorchesters. Dazu tanzen, spielen, modellieren, fotografieren, filmen und musizieren über sechzig in Leipzig lebende Menschen mit unterschiedlichen Wurzeln, aus unterschiedlichen Generationen, hier Geborene und Geflüchtete.

Der weiße Fleck - eine Lücke im Sichtfeld, eine Aussparung, eine blinde Stelle. Etwas, das wir nicht sehen wollen oder nicht greifen können. Angst vor dem Unbekannten. Leipzig als weißer Fleck, der nun bunter wird? Was ist Heimat? Was ist Identität?

Zu diesen Themen laufen seit August 2016 sechs Workshops bei den beteiligten soziokulturellen Zentren ANKER, Frauenkultur, GeyserHaus, naTo, VILLA und Werk 2. Inspiriert durch Bach's Cellosuiten entstehen musikalische, schauspielerische, bildnerische, performative, fotografische und filmische Szenen. Ab dem 3. Oktober kommen alle Beteiligten für die Endproben auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz zusammen. Passantinnen und Passanten sind eingeladen, den Proben zuzuschauen, die Beteiligten kennen zu lernen und sich selbst einzubringen. Der Höhepunkt sind die zwei Aufführungen am 7. und 8. Oktober im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses.

Fr., 07. 10. 16
20:00 Uhr
"Schwarzbuch" gegen Aufrüstung und Krieg
BUCHVORSTELLUNG
Mit CHRISTINE BUCHHOLZ, MdB & BARBARA HÖLL | Die Linke

Bedrohungsszenarien, Aufrüstungs-PR, strategische Neuausrichtung. Was hinter dem neuen Weißbuch der Bundeswehr steckt.

Mi., 19. 10. 16
20:30 Uhr
Seinen Bann breche durch helles Bewusstsein...
Zum autoritären Charakter der Gegenwart
VORTRAG & DISKUSSION

Spätestens seit dem Ausbruch der jüngsten globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 lässt sich in allen westlichen Industrienationen von einer Wiederkehr des Verdrängten sprechen: Prozesse der Entdemokratisierung, ein repressiver Backlash gegen Errungenschaften der Frauen- und Queer-Bewegungen und rechte Mobilisierung finden sich allerorts. Nationalistische, rassistische und antisemitische Ressentiments tönen lautstark auch aus der Mitte der Gesellschaft und setzen sich in Handlungspotenzial um. Will man diese Entwicklungen und ihre Ursachen kritisch einholen, erscheint es dringlich auch danach zu fragen, warum sich Individuen gerade in ökonomischen und politischen Krisenzeiten empfänglich zeigen für autoritäre Haltungen und ressentimentgeladene, partikularistische Erklärungsmuster für eine komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit.
Ein historischer Versuch, diese Zusammenhänge zu erhellen, findet sich in den empirischen Studien der frühen Kritischen Theorie um Theodor W. Adorno. Über eine Zusammenführung der historisch materialistischen Ideen im Anschluss an Karl Marx und Einsichten der Psychoanalyse Siegmund Freuds ging es den Mitgliedern des Instituts für Sozialforschung in den 1930er und 1940er Jahren um die Analyse der "subjektiven Bedingungen der objektiven Irrationalität" (Adorno). Über eine kritische Re-Lektüre dieser wegweisenden Studien und aktueller Analysen kann auch die Formation der gegenwärtigen Vergesellschaftung und ihr autoritäres Potenzial zwischen kapitalistischer Vergesellschaftung, autoritären Persönlichkeitsstrukturen und antisemitischem Ressentiment erhellt werden.

CONSTANZE STUTZ ist Redakteurin bei outside the box - Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik und stellt im Rahmen der Vortragsreihe "women in science!" ihre Abschlussarbeit mit dem Titel ,Der neue Autoritarismus des postfordistischen Sozialcharakters - Eine gesellschaftstheoretische Rekonstruktion vor und zur Diskussion.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik des Stura's der Universität Leipzig und dem soziokulturellem Zentrum Frauenkultur.
Eintritt: frei

Do., 20. 10. 16
20:00 Uhr
Love me Tinder
Kurzgeschichten
LESUNG
ANNE BAX

Die erfolgreiche "Kurzgeschichten-Queen" Anne Bax erzählt vom lesbischen Liebesleben im Zeitalter von apps, Tinder, facebook & Co. Es bieten sich viele neue Möglichkeiten an Romantik und Komik. Auch die "klassischen" Dramen und Liebes-Höhepunkte kommen nicht aus der Mode, zum Beispiel, wie sich die Welt nach einer Trennung anfühlt, was ältere Tanten von Sex halten und wie der erste Liebesfunke zündet. Texte, die von "Sex mit 49" handeln - plus einige Texte, die so neu sind, dass sie es nicht mehr in Love me Tinder geschafft haben.

"Die Geschichten sind kurz, auf den Punkt gebracht und auf die Spitze getrieben, funkelnd vor Sprachwitz und passen auf ganz viele Situationen, mit denen die moderne Lesbe im wahren Leben konfrontiert wird."
ANNE BAX lebt mit Frau, Stoffschwein und Lesebrille im Ruhrgebiet.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Fr., 21. 10. 16
19:00 Uhr
Colors of feminism
VORTRAG & DISKUSSION
Referentin: Natasha A. Kelly

Welche "Farbe" haben Feministinnen? Oder ist Feminismus "farblos"? Wer gilt in feministischen Kreisen als "farbig"? Und wer als "farbenblind"? Diese und ähnliche Fragen werden in aktivistischen Frauenkreisen immer wieder aufs Neue gestellt und führen auf die falsche Fährte. Denn der angloamerikanische Kampfbegriff Colors lässt sich nicht mit "Farben" oder "farbig" übersetzen. Vielmehr ist von Widerstand die Rede: Women of Color sind Frauen des Widerstands! Und widerständige Frauenpositionen gibt es innerhalb der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft viele. Doch gerne werden diese auf einer einzigen Positionierung reduziert, in einer einzigen Stimme verein(nahm)t - von jenen weißen Feministinnen, die die Kategorie Gender für sich beanspruchen, entdependieren und eigenständig verhandeln...

Natasha A. Kelly ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin mit den Forschungsschwerpunkten race und gender. Die in London geborene und in Deutschland sozialisierte Panafrikanistin ist die gewählte Hauptvertreterin der Europäischen Union im Landesbeirat für Integrations- und Migrationsfragen des Berliner Senats (2012 - 2017). Dort leitet sie die "AG Frauen" und die "Fokusgruppe Wissenschaft und Forschung". Sie selbst versteht sich als "akademische Aktivistin", die stets versucht Theorie und Praxis miteinander zu verbinden, um die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Transferleitungen zwischen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu betonen. Die Autorin und Dozentin hat an zahlreichen privaten und staatlichen Einrichtungen in Deutschland und Österreich gelehrt, referiert und moderiert und ist in diversen ehrenamtlichen Projekten engagiert. Sie ist die Herausgeberin von "X, das Magazin für AfroKultur" (http://www.fabulamedia.com) und "Sisters and Souls. Inspirationen durch May Ayim" (Berlin, Orlanda Verlag 2015), eine Anthologie zu Ehren der afrodeutschen Wissenschaftlerin, Aktivistin und Dichterin. Darüber hinaus ist Natasha Kuratorin und Projektleiterin der interaktiven Wanderausstellung EDEWA (http://www.edewa.info), die sich aus postkolonialer Perspektive mit Alltagsrassismus, Sexismus und Kolonialismus, insbesondere den Kolonialwarenhandel beschäftigt, und als Beraterin für verschiedene Kunstinstitutionen tätig. Ihre Dissertationsschrift "AfroKultur - der raum zwischen gestern und morgen" ist 2016 im Unrast Verlag, Münster erschienen.
Mehr Infos unter: http://www.NatashaAKelly.com

Fr., 21. 10. 16
21:00 Uhr
Die lange queere FILMNACHT
Suffragette - Taten statt Worte
Regie: SARAH GAVRON, GB 2015, 106 Min.

"Women's Social and Political Union" wurde 1903 von Emmeline Pankhurst (MERYL STREEP) in Großbritannien gegründet... eine bürgerliche Frauenbewegung, die durch passiven Widerstand wie auch durch öffentlichkeits-wirksame Proteste bis hin zu Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte. Neben dem Wahlrecht kämpften sie für die allgemeine Gleichstellung der Frauen und für heute so selbstverständliche Dinge wie z.B. die Erlaubnis, in der Öffentlichkeit zu rauchen. Die sogenannten "Suffragetten" waren z.T. gezwungen in den Untergrund zu gehen, da England immer brutaler versuchte, ihre Arbeit zu verhindern. Immer mehr Frauen stellten fest, dass ihre friedlichen Proteste keinen Erfolg brachten. In ihrer Radikalisierung riskierten sie alles zu verlieren - ihre Arbeit, ihr Heim, ihre Kinder und ihr Leben. Maud (CAREY MULLIGAN) war eine dieser mutigen Frauen. Fesselnd wie ein Thriller erzählt SUFFRAGETTE die spannende und inspirierende Geschichte ihres herzzerreißenden Kampfs um Würde und Selbstbestimmung.

Freeheld - Jede Liebe ist gleich
Regie: PETER SOLLETT, USA 2015, 103 Min.

Laurel Hester lebt seit über 20 Jahren für ihren Job als Polizeikommissarin in den USA, ein Privatleben findet bei ihr nicht statt. Dies ändert sich schlagartig, als sie die junge Mechanikerin Stacie Andree kennenlernt. Die beiden verlieben sich aller Unterschiede zum Trotz ineinander und bauen sich eine gemeinsame Zukunft auf... mit eigenem Haus und Hund... und schließlich sogar eingetragener Lebenspartnerinnenschaft. Doch ihr Glück währt nicht lange. Laurel erhält die erschütternde Diagnose: Lungenkrebs im Endstadium. Ihr bleibt nicht mehr viel Zeit. Ihr letzter Wunsch ist, dass Stacie im gemeinsamen Haus wohnen bleiben kann. Das kann sie aber nur, wenn ihr Laurels Pensionsansprüche übertragen werden. Die zuständigen Behörden lehnen ihr Gesuch immer wieder ab. Auch innerhalb der Polizei erfährt Laurel kaum Rückhalt. Nur ihr Kollege Dane und ein exzentrischer Aktivist halten zu Laurel und Stacie in ihrem Kampf um Gerechtigkeit, bis sie unerwartete Unterstützung erhalten...
Eintritt: frei

So., 23. 10. 16
13:30 Uhr
Fünf Tage in New York - Gay Pride am Hudson
Der besondere FILM
Dokumentarfilm, USA/D 2014, 55 Min., Regie: Oliver Bätz, André Schäfer

Die New Yorker Polizei überfiel am 28. Juni 1969 die Schwulen- und Transsexuellen-Kneipe "Stonewall Inn" in der Christopher Street in Greenwich Village - und zur Überraschung der Polizei wehrten sich die dort feiernden Gäste zum ersten Mal und schlugen zurück. Damals waren Personenkontrollen üblich, die Namen wurden zum Teil veröffentlicht, um die Betroffenen zu diffamieren; es gab Anzeigen wegen "anstößigen Verhaltens". Doch seit diesem Tag veränderte sich das Bewusstsein der Bevölkerung. Die Homosexuellen waren plötzlich Opfer, die sich wehrten und Forderungen stellten. Fünf Tage und Nächte dauerte der Stonewall-Aufstand damals. Zum Gedenken an diese Kämpfe wird rund um die Christopher Street - und mittlerweile auch in den Stadtteilen Chelsea, Meatpacking und West Village - der New York Pride gefeiert.
Eintritt: frei

Do., 27. 10. 16
19:00 Uhr
Die Pille und ich
VORTRAG & DISKUSSION
KATRIN WEGNER, Autorin, Filmemacherin

Katrin Wegner sprach mit über 300 Frauen aus drei Generationen über die Bedeutung der Pille in ihrem Leben. Die gesammelten Erfahrungsberichte erzählen viel über die Emanzipation und Geschichte der Lebens- und Liebesplanung.
Für die heutigen Großmütter war Verhütung damals, als die Pille 1961 im Westen und 1965 im Osten auf den Markt kam, noch vollkommen tabu. Die rigide Sexualmoral der 1950er Jahre in der BRD, aber auch in der DDR beherrschte den Alltag auch noch bis ins nächste Jahrzehnt hinein. Und dennoch gingen viele Frauen damals einen beachtlichen Schritt der Selbstermächtigung: Ab den 1968ern stieg der Absatz der Pille rapide an. Selbst westdeutsche Frauen aus streng katholischen Elternhäusern vereinten das scheinbar Widersprüchliche und erklärten Sexualität zu ihrer Privatsache.
Für die nachfolgende Pillengeneration verlor die Verhütung ihre moralische Dimension, dafür traten im Westen Kompetenzfragen in Sachen Liebe und Sexualität auf den Plan, während die meisten befragten Frauen aus Ostdeutschland über einen natürlichen und selbstverständlichen Umgang berichteten. Und heutzutage nehmen viele Mädchen die Pille nur noch "prophylaktisch" ein, weil sie schlank, attraktiv und der Selbstverbesserung dienen soll. Während die erste Pillengeneration ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche entdeckte, nutzen einige der jungen Frauen heute das kleine Dragee zu ihrer Rundumverschönerung. Das ist kein Wunder, denn das irreführende Pharmamarketing und seine Versprechungen an Mädchen und junge Frauen lenken den Blick auf die reine Oberfläche und verspielen damit das, was uns einst sexuell befreite.

Katrin Wegner studierte Psychologie, Erziehungswissenschaften und Soziologie, war wissenschaftliche Mitarbeiterin bei entwicklungs-psychologischen Forschungsprojekten der Freien Universität Berlin. Nach einem Regiestudium arbeitet sie seit 2001 als Filmemacherin und Autorin.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Fr., 28. 10. 16
20:00 Uhr
Diesen Sommer trage ich weiß - Bilder einer Reise
HÖRTHEATER - Im Rahmen des Literarischen Herbstes
nach einer Textcollage von Undine M. Pelny

Ulrike Thomazyk fährt mit einer Reisegruppe an die Kriegsgräberstätten in der Ukraine. Mit ihren Erinnerungen im Gepäck begegnet sie dem Schicksal ihres Onkels Arthur, der in der Schlacht vor Stalingrad sein noch junges Leben ließ. Sie stellt sich Fragen nach dem Tod und seinen Spuren im Leben derer, die zurückbleiben. Nach den Wunden, die ein Krieg reißt, und nach der Zeit, die nicht alle Wunden heilt.

Produktion des http://www.theatereumeniden.de | Veranstaltet von: Autorinnenvereinigung in Kooperation mit der Frauenkultur
Eintritt: 9,- | 7,- Euro ermäßigt

Sa., 29. 10. 16
20:00 Uhr
Weltbilder
PREISTRÄGERINNEN-LESUNG
Im Rahmen des Literarischen Herbstes

Der Goldstaub-Wettbewerb der Autorinnenvereinigung - des Netzwerkes für Schriftstellerinnen und Autorinnen aller Genres, die in deutscher Sprache schreiben und publizieren - vergibt jährlich den Titel "Autorin des Jahres" und kürt die Siegerinnen des Goldstaub-Wettbewerbs im Bereich Lyrik und Prosa.

Heute findet die Lesung der Preisträgerinnen des Goldstaub-Wettbewerbs statt und die Würdigung der Autorin des Jahres 2016 in Anlehnung an die Ausschreibung des literarischen Herbstes. www.autorinnenvereinigung.eu
Veranstaltet von: Autorinnenvereinigung in Kooperation mit der Frauenkultur
Eintritt: frei

So., 30. 10. 16
10:00 - 13:00 Uhr
Seltsame Abwesenheiten
LESUNG & PODIUMS-DISKUSSION
Es lesen: ODILE KENNEL, NINIA BINIAS, CHRISTINE LEHMANN, ULRIKE SCHÄFER
Diskussion: Prof. ILSE NAGELSCHMIDT

Gefragt wird, auf welche Weise Autorinnen im öffentlichen Diskurs gesellschaftlicher und philosophischer Themen Gehör finden (können). Vier ganz unterschiedliche Autorinnen stellen in der Auftaktlesung Ausschnitte aus ihren Werken vor und stellen sich gemeinsam mit Frau Prof. Nagelschmidt von der Universität Leipzig der anschließenden Diskussion.

www.autorinnenvereinigung.eu
Veranstaltet von: Autorinnenvereinigung in Kooperation mit der Frauenkultur
Eintritt: frei

Do., 03. 11. 16
19:00 Uhr
Pornographisierung von Gesellschaft?
PODIUMSGESPRÄCH mit Buchpräsentation
Pornographie bewegt sich im Spannungsfeld von Gewalt, Schund und sexueller Selbstbestimmung: Während Pornographie gemeinhin als moralisch anstößig betrachtet wird, fokussierte sich die letzte PorNO-Kampagne der Zeitschrift EMMA (2007) auf die Aspekte der Pornographisierung des Alltags, die sich zum Beispiel in deutlich sexualisierten Selbstdarstellungen von Jugendlichen in sozialen Netzwerken äußert. Demgegenüber nutzen für sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung und Vielfalt eintretende Aktivist*innen sexuell explizite Bilder / Nacktdarstellungen, um emanzipatorische Vorstellungen einer selbstbestimmten Sexualität in einer Welt vielfältiger Geschlechter und Sexualitäten zu entwickeln. All dies wird unter dem Stichwort der "Pornographisierung von Gesellschaft" verhandelt. Im Podiumsgespräch soll mit Expert*innen für Pornographie diskutiert werden, ob unsere Gesellschaft pornographisiert ist, wie sich dies konkret äußert und wie sich auf Körpernormen bezogene, sexualitätsbezogene und sexuell explizite Darstellungen vor diesem Hintergrund verorten lassen.
Mit der Veranstaltung wird zugleich der von der Rechtswissenschaftlerin Dr. Anja Schmidt als Mitarbeiterin der Universität Leipzig herausgegebene und im Juli 2016 erschienene Sammelband "Pornographie. Im Blickwinkel der feministischen Bewegungen, der Porn Studies, der Medienforschung und des Rechts" präsentiert. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Rosalinde e.V. im Rahmen der mitteldeutschen Hirschfeldtage 2016 und in Kooperation mit der FraKu statt.
Veranstalter*innen: Dr. Anja Schmidt und der Gleichstellungsbeauftragte der Universität Leipzig, Georg Teichert.

Do., 17. 11. 16
19:00 Uhr
Nicht lesbisch - frauenliebend!
Misogynität, Scham und Unsichtbarkeit im Zusammenhang von lesbischem Selbsthass
VORTRAG & DISKUSSION
Referentin: Verena Läcke

"Die Lesbe" ist nach wie vor unsichtbar - eine Identität, die nicht so recht zu sein hat. Auch unter Lesben. Aktive weibliche und insbesondere lesbische Sexualität hat im öffentlichen Raum keinen oder nur einen begrenzten Platz, gehört ins Private. Aus der Unsichtbarkeit heraus ein Selbstbewusstsein - subjektiv wie politisch - zu schaffen, scheint vielen schier unmöglich.

Mit der Frage "Wo sind die Lesben hin?" beschäftigen sich Lesben seit Jahrzehnten und kürzlich auch wieder in Podiumsdiskussionen in Berlin und Köln. Ein Grund für die Unsichtbarkeit der Lesbe ist sicherlich die Stellung weiblicher Sexualität in der Gesellschaft. Doch ist es wirklich nur der Gesellschaft verschuldet, dass "die Lesbe" kaum öffentliche Sphären einnimmt? Kann sich der Gedanke bestätigen, dass sich "die Lesbe" ihr eigener Feind auf dem Weg zur Sichtbarkeit und zur darauf stützenden politischen Emanzipation ist?

Verena Läcke ist Bundesvorsitzende der Queerfem* Bundeskonferenz und studiert Politik- und Rechtswissenschaften an der Universität Bonn.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Do., 24. 11. 16
19:00 Uhr
Geschlechter- und Sexualitätsnormen im Asylverfahren
VORTRAG & DISKUSSION
Referentin: Katharina Schoenes

Die Bundesrepublik ist ihrem Selbstverständnis nach ein Land, in dem Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung gleichberechtigt und diskriminierungsfrei leben können. Vor diesem Hintergrund könnte man erwarten, dass Geflüchtete, die aufgrund ihrer (normabweichenden) sexuellen Orientierung verfolgt wurden, in Deutschland mit offenen Armen empfangen werden. Jedoch gelingt es vielen Asylsuchenden nicht, ihren theoretisch bestehenden Schutzanspruch in der Praxis durchzusetzen.
Der Vortrag beleuchtet anhand aktueller und älterer Beispiele den behördlichen und gerichtlichen Umgang mit Asylanträgen von LGBT. Dabei geht es auch um die Frage, wie gesellschaftlich verbreitete Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität sowie hieran geknüpfte Erwartungen gerichtliche und behördliche Entscheidungen prägen.

Katharina Schoenes ist Sozialwissenschaftlerin. Momentan promoviert sie an der Universität Osnabrück im Graduiertenkolleg "Die Produktion von Migration" zum Einfluss gesellschaftlicher Machtverhältnisse auf gerichtliche Entscheidungen im Aufenthalts- und Asylrecht. Darüber hinaus ist sie Mitglied der Berliner Prozessbeobachtungsgruppe Rassismus und Justiz, die sich dafür einsetzt, eine öffentliche Debatte über strukturellen Rassismus in Polizei und Justiz anzustoßen.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Do., 08. 12. 16
19:00 Uhr
Sexuelle Befreiung.
Über den Zusammenhang von modernen Subjektvorstellungen und Sexualität im feministischen Denken seit den 1960er in Frankreich, Deutschland und den USA.
VORTRAG & DISKUSSION
Referentin: Dr. Cornelia Möser

Seit Ende der 1960er Jahre hat Sexualität einen zentralen Platz in feministischen Vorstellungen von Emanzipation und Befreiung. Dieser Vortrag geht anhand von Beispielen aus Frankreich, Deutschland und den USA dem Platz der Sexualität im feministischen Denken nach und versucht nachzuvollziehen, welche Befreiungsstrategien aus den jeweiligen Begriffen von Sexualität abgeleitet werden, ob sie beispielsweise als Unterdrückungs- oder Befreiungsinstrument verstanden wird, als Identität oder als Praxis. Muss sich von der patriarchalen Sexualität befreit werden? Gilt es, sich durch die Sexualität selbst zu befreien oder ist es gar die Sexualität, die von gesellschaftlichen Prägungen befreit werden muss? Der Vortrag versucht anhand der verschiedenen Begriffe von Sexualität, die im feministischen Denken vorzufinden sind, die ihnen zugrunde liegenden Subjektvorstellungen offenzulegen und damit zu einem besseren Verständnis auch aktueller Diskussionen um sexuelle Modernität beizutragen.

Dr. Cornelia Möser, Studium der Kulturwissenschaft, Gender Studies und Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Université Paris 8. 2011 Promotion in den Fächern Gender Studies und Politikwissenschaft. 2008 - 2010 assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs »Geschlecht als Wissenskategorie«. 2011 Vertretungsdozentur am Centre en études genre der Université de Lausanne. Seit 2012 Forschungsbeauftragte des CNRS am Laboratoire CRESPPA-GTM in Paris.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt