Lesungen / Vorträge
Vorträge, Lesungen und Bildungsveranstaltungen

Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen gibt es in der Frauenkultur Vorträge aus weiblicher Sicht. Es gibt Porträts zu einzelnen Künstlerinnen oder Frauen, die in einem historischen Kontext stehen. Und natürlich Autorinnen-Lesungen aller Art. Alle Veranstaltungen bieten die Möglichkeit des Gesprächs zwischen Referentinnen, Künstlerinnen und den BesucherInnen.
Do., 01. 06. 17
19:00 Uhr
HxH. Die Stadt (er)wartet
LESUNG & MUSIK
Text und Stimme: NADJA GRASSELLI
Musik: ATHINA KONTOU

Denn wenn einmal erkannt wird, dass man allein ist, ist man vielleicht nicht mehr so allein.
Sondern man wird eher ein... Untersuchungsobjekt.
Das Monstrum Gesellschaft nimmt in einer Zeit, in der Individualismus immer mehr unser Leben bestimmt, einen immer abstrakteren Charakter an, der sich jedoch in sehr konkreten Auswirkungen auf unseren Alltag überträgt. Wird etwas von uns erwartet? Von wem? Und was passiert, wenn man den Erwartungen nicht gerecht wird?
Die Stadt ist ein von Ängsten überfüllter Raum, wo Verschiedenheit zusammenlebt, wo der unbekannte und unvorhersehbare Andere täglich sehr nah mit uns in Kontakt steht. Wer muss sich schützen und wer wird ausgeschlossen? Wer wird zum Sündenbock dieser Gesellschaft?
Stets in Bewegung - wartet die Stadt. Wer ist die heutige Hexe?

NADJA GRASSELLI aufgewachsen in Trento [IT], studierte in Bologna und Berlin und wohnt seit 2014 in Leipzig. Sie arbeitet hier, dort und auch anderswo und experimentiert als Autorin, Dramaturgin, Regisseurin (und anderes mehr) mit hybriden künstlerischen Formen in dem Grenzraum zwischen Kunst, Kultur und Gesellschaft (liminalraum.org).
ATHINA KONTOU ist zwischen Athen und Frankfurt am Main aufgewachsen. Sie kam vor 8 Jahren zum Studieren nach Leipzig und arbeitet als Jazzmusikerin.
Eintritt: 6,- | 4,- Euro (ermäßigt)

Fr., 02. 06. 17
17:00 Uhr
Das Mädchen Wadjda
FILM & GESPRÄCH
Regie: HAIFAA AL MANSOUR, Sau/D 2012, 97 Min.

Der Film erzählt die Geschichte des zehnjährigen Mädchens Wadjda. Jeden Tag kommt sie auf ihrem Weg zur Schule an einem Spielzeuggeschäft vorbei, das ein grünes Fahrrad anbietet. Wadjda träumt davon, dieses Fahrrad zu besitzen, denn dann könnte sie sich auch endlich gegen den Nachbarsjungen Abdullah durchsetzen und auf ihrem Fahrrad vor ihm davon flitzen. Mädchen ist jedoch das Fahrradfahren verboten. Trotzdem heckt Wadjda einen Plan aus, wie sie mit verbotenen Geschäften auf dem Schulhof Geld für das Fahrrad verdienen kann. Doch ihr Plan fliegt auf. Ihre einzige Chance doch noch an das Geld zu kommen: Sie muss den mit einem hohen Preisgeld dotierten Koran-Rezitationswettbewerb der Schule gewinnen. Mit viel Eifer und Erfindungsgeist macht sie sich an die Aufgabe, vermeintlich fromm zu werden.

"Das Mädchen Wadjda" ist der erste Film, der in Saudi-Arabien überhaupt gedreht wurde - und dann auch noch von einer Frau. Der Regisseurin Haifaa Al Mansour gelingt eine Fülle an Alltagsbeobachtungen, die einen Eindruck vermitteln vom Leben in einem arabischen Land. "Indem Haifaa Al Mansour mit Wadjda ein unwiderstehlich lebendiges Mädchen in den Mittelpunkt rückt, gewinnt der Film eine Leichtigkeit, die er gut brauchen kann. Seine Geschichte ist eigentlich ziemlich bitter. Zu dem Zorn über die zahllosen Ungerechtigkeiten und Einschränkungen kommt ein wachsendes Gefühl der Beklemmung." (Martina Knoben | Süddeutsche Zeitung)

Eine Veranstaltung nur für Frauen. Im Anschluss sind Frauen aller oder keiner Konfession eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit der Leipziger Syrienhilfe.
Eintritt: frei

Do., 08. 06. 17
19:00 Uhr
Am Herdfeuer. Aufzeichnungen einer Reise zu den matriarchalen Mosuo
LESUNG & DISKUSSION
Dagmar Margotsdotter, Uschi Madeisky, Daniela Parr

Muttersee, Mutterberg, Mutterland: Am Lugu-See im Südwesten Chinas leben die Mosuo. Weil sie eine matriarchale Gesellschaft sind, liegen Grund und Boden in den Händen der Frauen. Damit weiß jedes Mosuokind von Geburt an, dass es eine sichere Heimat hat: den Mutterklan. Es gibt keine Frauenhäuser, keine Kinder- und Altenheime. Fürsorge füreinander geht über alles. Matriarchale Menschen leben in existentieller Sicherheit. Um diese ureigene, mütterliche Grundstimmung zu dokumentieren, lebt die Autorin Dagmar Margotsdotter jedes Jahr mehrere Wochen in einem befreundeten Mosuoklan am Lugu-See. Die vorliegenden Aufzeichnungen stammen von ihrem ersten Aufenthalt dort. Auf der Reise entstanden auch Teile des gemeinsam mit Uschi Madeisky und Daniela Parr produzierten Films "Wo die freien Frauen wohnen".

An diesem Abend wird die Autorin Dagmar Margotsdotter aus ihrem Buch "Am Herdfeuer" lesen und gemeinsam mit den Filmemacherinnen Uschi Madeisky und Daniela Parr von ihren Reisen zu den matriarchalen Mosuo berichten.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Fr., 09. 06. 17
19:00 Uhr
Dunkle Wasser
Einführung in die Thematik und Motive des Horrorfilms anhand des japanischen Filmes "Dark Water - Honogurai mizu no soko kara" (2002)
VORTRAG & DISKUSSION
Referentin: Susann Arnold

Eine alleinerziehende Mutter zieht nach der Scheidung von ihrem Mann mit ihrer kleinen Tochter in eine heruntergekommene Plattenbausiedlung am Stadtrand. Zunächst schenkt sie einem Wasserfleck an der Schlafzimmerdecke wenig Beachtung, doch bald schon beginnen sich unheimliche Vorgänge zu häufen.

Der Vortrag stellt anhand dieses Filmbeispiels Motive und Thematiken im Horrorfilm, wie unter anderem den Begriff der Mutterschaft, der Familie, des Spukhauses und des Monsters vor. Er zeigt auf, wie der Horrorfilm zu einem höchst interessanten Medium werden kann, welches die vergessenen und verdrängten Ängste der Gesellschaft thematisiert und sie in anderer Form, jedoch nicht minder grausam, wiedergibt. Mit anschließender Diskussion und Erfahrungsaustausch. Mit Bild- und Filmbeispielen, auch für schwache Nerven geeignet, keine Splatterszenen.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Do., 15. 06. 17
19:00 Uhr
Das Paradox der Kulturen. Intersektionen zwischen Sexismus, Rassismus und Kultur.
VORTRAG & DISKUSSION
Referentin: Petra Klug

In der Debatte um die kulturellen und religiösen Hintergründe für sexistische Gewalt werden oft rassistische Vorannahmen getroffen, die sexuelle Gewalt pauschal mit bestimmten Kulturen, insbesondere dem Islam, assoziieren und dabei sexistische Gewalt in westlichen Gesellschaften ausblenden. Die Kritik an einer solchen Instrumentalisierung des Feminismus bestreitet auf der anderen Seite jedoch oft jeglichen Zusammenhang zwischen Gewalt und dem kulturellen Hintergrund der Täter als westliches Konstrukt. Diese Rede vom Homonationalismus oder Femonationalismus gibt damit nicht nur den feministischen oder emanzipatorischen Anspruch zugunsten eines verkürzten Antirassismus auf, sie reproduziert auch rassistische Annahmen und ignoriert nicht zuletzt das Leiden all derer, die sich kulturellen oder religiösen Geschlechter-Normen in "ihren" Kulturen nicht beugen wollen. Der Vortrag analysiert diesen Zusammenhang vor dem Hintergrund der Debatte um die Kölner Silvesternacht.

Petra Klug hat Soziologie, Kulturwissenschaften und Religionswissenschaften an der Universität Leipzig studiert. Sie war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und assoziiertes Mitglied am DFG-Graduiertenkolleg Religiöser Nonkonformismus und kulturelle Dynamik. Sie hat ein Buch zum Islam-Diskurs im Deutschen Bundestag sowie zahlreiche Artikel zu Religion, Nichtreligion, Gender und Menschenrechten veröffentlicht. Am Institut für Religionswissenschaft und -pädagogik der Uni Bremen schließt sie gerade ihre Dissertation zum Umgang mit Atheist_innen in den USA ab. Nähere Informationen, Volltexte sowie einen Lebenslauf mit Publikationsliste finden Sie hier: https://bremen.academia.edu/PetraKlug
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Fr., 16. 06. 17
19:00 Uhr
Feels like a Revolution - Eine feministisch-philosophische Kritik des Gefühls
VORTRAG & DISKUSSION
Referent*in: Kim Posster

Im Alltagsverständnis scheinen Gefühle keine objektive Gültigkeit zu haben. Sie erscheinen nicht für die Verallgemeinerung geeignet und bedrohen sogar die "Neutralität" z.B. akademischer oder politischer Diskurse. Emotional sein, heißt irrational sein. Gleichzeitig scheinen Gefühle für eine innere Wahrheit zu bürgen, über die ein Urteil schnell als anmaßend empfunden wird. Wie kommt es, dass Emotionen so oft der denkenden Vernunft gegenübergestellt werden? Ist es ein Zufall, dass wir die Ratio eher mit dem Männlichen und das irrationale Spüren eher mit dem Weiblichen verbinden? Müssen Gefühle etwa überwunden werden, um die Freiheitsversprechen der Aufklärung einzulösen, oder sind sie der letzte Hoffnungsschimmer der Emanzipation in einer bis zum Äußersten rationalisierten Welt? Im Vortrag soll ein philosophisch-feministischer Blick auf Gefühle eröffnet werden, der das Fühlen als Element der Erkenntnis- und Gesellschaftskritik zu ihrem Recht kommen lässt, ohne dabei die Kritik am Kult der Emotion in kapitalistischen und patriarchalen Verhältnissen auszusparen.

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen von "women in science" statt | Kooperation zwischen RGL des Stura der Uni Leipzig und der Frauenkultur.
Eintritt: gegen Spende

So., 18. 06. 17
16:00 Uhr
Von röhrenden Hirschen und revoltierenden Hausschnecken
Eine Performance der besonderen Art
Susanne Köszeghy | Musikerin
Veronika Weidauer | Künstlerin und Autorin

Eine zwischen Dada-Texten, moderner und neu interpretierter populärer Musik diametrisch angelegt Klang-, Wort- und Bildcollage wird von der Künstlerin und Autorin Veronika Weidauer und der Musikerin Susanne Köszeghy zu einem Gesamtkunstwerk verwoben.

Humoristische Betrachtungen des Alltags lassen inmitten der Geräusche der Natur und ihrer Imitationen neue Wege und Wirklichkeiten entstehen, die sogar den Dialog mit Hirschen und Schnecken wahr werden lassen!

Das Programm umfasst eine bunte Zusammenstellung von Musik (von Henry Purcell über Tim Buckley und Agnes Dorwarth bis zu den Ärzten, vertont mit Gesang, Blockflöten, Gitarre und Klavier) und Literatur (Mutti Riot, Schafes Schwester etc.), zugleich tiefgründig und komisch, und wird umrahmt durch die Bilder und Zeichnungen von Veronika Weidauer.

Susanne Köszeghy: Blockflötenstudium in Stuttgart, Amsterdam und Leipzig, Meisterklassenexamen ebendort, mehrfache Preisträgerin nationaler und internationaler Kammermusikwettbewerbe; seit 2000 freischaffend in Berlin; Konzerttätigkeit mit unterschiedlichen Ensembles mit Zeitgenössischer Musik; seit mehreren Jahren Beschäftigung mit freier Improvisation, u.a. auch in Kombination mit LandArt; multimediale Performances mit "Mutti Riot" (zusammen mit V. Weidauer) und der Schauspielerin Heidi Zengerle
Veronika Weidauer: geboren, aufgewachsen in Berlin-Kreuzberg, Kunststudium an der Ecole Municipale des Beaux-Arts, Avignon, Frankreich; Kurz in der Werbegrafik in Stuttgart gearbeitet, dann Studium der klassischen Archäologie und Bibliothekswissenschaft mit Diplom in Berlin. Auch das noch: Klassische Gesangsausbildung - Mezzosoprano -bei Gabriele Dünnebier- Küpper. Arbeit als freie Künstlerin im eigenen Atelier in Berlin-Mitte-Moabit seit 2004 (seit 1996 Gemeinschaftsatelier Prenzlauer Berg, aber dann kamen zwei Söhne); Autorin von Kurzgeschichten unter dem Pseudonym Aki Norev; Organisation von Ausstellungen und Lesungen. Freies Lektorat. Zahlreiche Ausstellungen, u.a. stete Teilnahme am Moabiter "Ortstermin", 2015 "Lost in Paradise" Open-Air-Ausstellung vor dem Rathaus Tiergarten.

Eintritt: 7,- | 5,- Euro ermäßigt

Di., 20. 06. 17
18:00 Uhr
Die Wanderhebammen Vietnams
DER BESONDERE FILM
Regie: SILKE GONDOLF, D 2014, 44 Min.

Fernab der Hauptstadt Hanoi lebt die ethnische Minderheit der Hmong im Norden Vietnams ein einfaches und an jahrhundertealte Traditionen gebundenes Leben. Mehr als 70 Prozent der Geburten finden zu Hause statt, unterstützt nur von der Schwiegermutter oder einer erfahrenen Frau. Die Sterblichkeitsrate bei Müttern und Neugeborenen liegt in dieser abgelegenen Gegend um ein Zehnfaches höher als im Rest Vietnams. Das nahmen die Vereinten Nationen zum Anlass, ein Ausbildungsprogramm für Hebammen zu starten. Insgesamt wurden 50 lokale Hebammen ausgebildet und mit einfachen medizinischen Instrumenten ausgestattet. Die westliche Schulmedizin hat hier keinen guten Ruf, denn in der Tradition der Hmong spielt die Geisterwelt eine große Rolle. Bei den jungen Dorfbewohnerinnen genießen die Hebammen großes Vertrauen und gelten als Vorbilder. Sie helfen nicht nur beim Gebären, sie klären auf, kümmern sich um Mutter und Kind - und achten darauf, dass die Traditionen eingehalten werden. Im Dorf Pho Cao ist Vu Thi My eine von ihnen. Sie ist 20 Jahre alt und hat selbst zwei Kinder, besitzt einen Schulabschluss und kann schreiben und lesen. Das qualifiziert die junge Frau, am 18-monatigen Ausbildungsprogramm teilzunehmen. Sie lebt - so wie alle Hmong-Familien in den ländlichen Regionen - mit Schwiegereltern und Ehemann unter einem Dach. Die Töchter der Hmong werden sehr früh verheiratet. Nicht selten bekommen Frauen ihr erstes Baby im Alter von vierzehn Jahren. Die Wanderhebammen wissen um die Rituale und Bräuche, weil sie diese selbst leben. Bei einer Namensgebungszeremonie rufen Schamanen beispielsweise die Seelen der Verstorbenen an, damit diese in ihrer Familie wiedergeboren werden und der Lebenskreislauf von Geburt und Tod geschlossen werden kann. Auch weil die Hebammen sich mit diesen Traditionen ihres Volkes auskennen und die Bedeutung der Rituale nachvollziehen können, ist es ihnen gelungen, die Sterblichkeitsrate in der Region drastisch zu senken.

Im Rahmen der Ausstellung "Hexenverfolgung. Auch in der Zeit der Reformation" zeigen wir diesen Film, um über andere Formen des Umganges mit Geburt zu informieren, die in unserem medizinisch-technischen Empfinden heute nur schwer vorstellbar sind... vor wenigen Jahrzehnten aber auch in Deutschland noch möglich/nötig waren - und auch heute noch sind.
Eintritt frei

Mi., 21. 06. 17
16:00 - 17:30 Uhr
Auf den Spuren von Henriette G.
STADTRUNDGANG im Rahmen der Jüdischen Woche
Mit GERLINDE KÄMMERER, Dipl.-Kulturwissenschaftlerin und Gästeführerin (IHK-Zertifikat)
Treffpunkt: Eingang Grassi-Museen/Johannisplatz

Henriette Goldschmidt (1825-1920) war Fröbelpädagogin, Mitbegründerin der deutschen Frauenbewegung und vielfach engagierte Reformerin. 1858 zog sie mit ihrem Mann, dem Rabbiner Dr. Abraham Meyer Goldschmidt, nach Leipzig und schuf hier Kindergärten sowie Einrichtungen für die Erzieherinnen-Ausbildung. 1911 eröffnete sie mit 86 Jahren - im Zusammenwirken mit dem jüdischen Verleger und Stifter Dr. Henri Hinrichsen - die ,Hochschule für Frauen' in Leipzig. Die Tour erzählt zudem von Hedwig Burgheim (1887-1943), einer der ersten Studentinnen dieser Hochschule, sowie von Gertrud Herrmann (1896-1942), der ersten jüdische Studienrätin in Sachsen.
Um Voranmeldung unter 0341 - 2130030 wird gebeten.
Teilnahmegebühr: 8,- | 6,- Euro ermäßigt

Do., 22. 06. 17
19:00 Uhr
Über Antisemitismus, Israel und darüber, warum das Private noch immer politisch ist
VORTRAG & DISKUSSION im Rahmen der Jüdischen Woche
Referentin: CONSTANZE STUTZ, Leipzig

Constanze Stutz führt in Erscheinungsformen des gegenwärtigen Antisemitismus ein, dessen Projektionen unter anderem auf Israel zielen und zeigt die gesellschaftliche Vermittlung und Funktion von Antisemitismus und Antizionismus auf. Der Vortrag zielt dabei auf eine Kritik an Theorien und Kampagnen, die mit Konzepten wie "Homonationalismus" und "pink-washing" argumentieren. Ziel dieser Konzepte ist es, Errungenschaften sozialer Kämpfe der Queer- und Frauenbewegung wie beispielsweise eine gezielte Stärkung von Frauenrechten oder eine LGBT-freundliche Politik einseitig als reine Konstrukte des Westens zu erklären und somit abzuwerten. Diesem Vorgehen soll eine Politisierung von Erfahrung gegenübergestellt werden, was als eine der grundlegenden Errungenschaften feministischer Kämpfe zu verstehen ist. Denn: das Private ist politisch. Dafür braucht es unabgegoltene universalistische Versprechen - wie z.B. Menschenrechte wie die Unversehrtheit des eigenen Körpers - die als Grundlage einer Gesellschaftskritik entfaltet werden, die Erfahrung nicht nur ernst, sondern in sich aufnimmt und sie politisch wendet ohne diese universalistische Grundsätze aufzugeben.
Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt

Do., 29. 06. 17
19:00 Uhr
Filmabend
DER BESONDERE FILM
Jorinde und Joringel
DDR 1986, 76 min., Drehbuch: VERA UND CLAUS KÜCHENMEISTER
Es spielen u.a. JUTTA WACHOWIAK die Zauberin und WALFRIEDE SCHMITT die Mutter
Das adaptierte Märchen der Gebrüder Grimm erzählt vom Krieg und vom Suchen nach dem Glück, von Verantwortung und vom Leben. Eine Eule | ein alte Frau, die versucht, die Jüngeren zu beschützen. Eine berührende Verfilmung mit surrealen Bildern.

Hexen
D 1980, Regie: LUISA FRANCIA
Dokumentarischer Fernseh-Spielfilm über die Zeit der Inquisition... (wenn sich der Film bis dahin bei der Regisseurin finden lässt.).
http://www.salamandra.de

Eine Veranstaltung innerhalb der Ausstellung "Hexenverfolgung. Auch in der Zeit der Reformation".
Ein Ausstellungsprojekt zur Bewusstsein-Schaffung zu gesellschaftlich bzw. staatlich legitimiertem Unrecht - als Beteiligung am Kulturprogramm des Kirchentags auf dem Weg Leipzig 25. bis 28. Mai 2017
Eintritt: frei

Do., 10. 08. 17
19:00 Uhr
Kritik des Familismus
Geschichte, Theorie und Realität eines ideologischen Gemäldes
VORTRAG & DISKUSSION
Dr. Gisela Notz

Die Ideologie des Familismus (oder auch Familialismus), die die gesellschaftliche Organisationsnorm aus dem Konzept einer "Idealfamilie" ableitet, prägt seit Jahrhunderten Politik und Sozialstruktur in Deutschland und in anderen westlichen Ländern wesentlich mit. Familismus hat einen Ausgangspunkt, der schon immer nur für einen Bruchteil der Bevölkerung praktische Relevanz hatte: die Familie. Sie gibt es heute ebenso wenig, wie es sie je gegeben hat. Und schon gar nicht war sie zu allen Zeiten die bürgerliche Kleinfamilie, wie wir sie heute kennen. Familismus ist eine Spielart des Antifeminismus, denn nach der familistischen Ideologie herrschen in der heterosexuellen Kleinfamilie, die immer aus Vater, Mutter und Kind(ern) besteht, komplementäre Rollenaufteilungen entlag der Geschlechterlinien. Die Ideologie der "Familie als Keimzelle der Gesellschaft" ist immer auf den Nationalstaat bezogen. Sie führt unweigerlich zur Diskriminierung von Individuen und Gruppen, die diesem Bild nicht entsprechen. Angesichts der "neuen" rechtspopulistischen AkteurInnen hat sie Hochkonjunktur. Was ist dagegen zu tun? Darüber sollten wir diskutieren.

Dr. Gisela Notz, freie Autorin, Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, Berlin. Gisela Notz war von 2004 bis 2010 Bundesvorsitzende von pro familia. Zum Thema hat sie das Buch: Kritik des Familismus. Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes geschrieben, das 2015 in der Reihe thorie org des Schmetterlings-Verlages in Stuttgart erschien. Seit 15 Jahren bringt sie den historischen Wandkalender "Wegbereiterinnen" heraus.

Eintritt: 4,- | 2,- Euro ermäßigt